Stadtführungen: So schmeckt das Ruhrgebiet

Duisburg, vierte Station: Beim Traditions-Metzger probieren die Teilnehmer ein ordentliches Stück Fleischwurst.
Duisburg, vierte Station: Beim Traditions-Metzger probieren die Teilnehmer ein ordentliches Stück Fleischwurst.
Foto: Funke Foto Services
So schmecken Duisburg, Dortmund, Essen und nun auch Bochum: Der Berliner Anbieter „Eat the world“ macht kulinarische Stadtführungen nicht nur für Touristen jetzt auch im Ruhrgebiet.

Ruhrgebiet..  Die Reisegruppe ist gerade ganze 450 Meter unterwegs, da möchte sie eigentlich schon nicht mehr weiter. „Wir können hier bleiben“, verkündet eine Frau mit fettigen Fingern, „is’ lecker!“ Nur war das erst der Anfang des Büffets: Es warten noch sechs andere gute Küchen auf diesem kulinarischen Stadtrundgang. Dessen Anbieter „Eat the world“ (Iss die Welt) aus Berlin hat nämlich erkannt, dass man auch das Ruhrgebiet essen kann. Und lässt an diesem Tag Duisburg verkosten.

Der „Inder-Italiener“ in der Claubergstraße klingt interessant, es gibt nebenan zudem „China-Food“ und „Good Food“, aber Melanie Berg führt heute zu „LoLu“. Ein türkischer Vegetarier „mit einer Ausnahme: wenn Omma kocht“ – weil „Omma“ davon viel versteht und vom fleischlosen Genuss eher wenig. Bei „LoLu“ machen sie gerade Mittagessen und haben, Vorführeffekt!, die hungrigen Reisenden vergessen. Was nichts macht, die Zucchini-Plätzchen sind fertig und werden alsbald vor der Tür serviert. Was zu dieser Szene führt: Da steht eine Gruppe Städte-Touristen mitten in Duisburgs Dellviertel auf der Straße, schaut erst prüfend, dann genießerisch und leckt sich mit vollen Backen die Fingerkuppen. Gut, dass Stadtführerin Berg zuallererst Servietten verteilt hat!

Die wandern nun gebraucht zurück in den Rucksack und deren Träger ein Häuschen weiter. Passieren einen Grill, ein Ristorante sowie das Gasthaus „Zur Laterne“ und entdecken zwischen Nagelstudio und Erotikshop: Es ist noch Suppe da! Michaela Peuster vom „SuppeR“ füllt Erbseneintopf in zwei Farben, Thunfisch-Suppe und Ratatouille in winzige Töpfchen, extra erstanden für diese neue Art der Städtetour. „Möhren sind da drinnen“, erklärt Peuster, auf dass auch der Besuch aus Hannover weiß: Wir sind im Ruhrgebiet!

„Eat the world“ hat dafür ein paar Jahre gebraucht. In Berlin gibt es kulinarische Stadtführungen schon seit 2008. Die Idee: Nicht nur die Liebe, auch das Leben in einer Stadt geht durch den Magen. „Eat the world“ will diese mit mehr Sinnen als nur dem Auge erkunden, Kultur und Küche außerhalb ausgetretener Pfade zeigen. „Wir gehen in die zweite Reihe“, sagt Melanie Berg, die damit in Essen schon Erfahrung hat. Dort lässt sie seit Herbst das Viertel Rüttenscheid probieren – mit Vollkorn-Pizza, Antipasti oder Quiche – und auch die nördliche City: wo es libanesische Baklava, Rieslingsuppe oder einen Bierteller gibt. Drei aus sieben, mehr wird nicht verraten.

Angesprochen sind damit nicht nur Touristen von auswärts. Auch Einheimische lernen gern in Häppchen mehr über ihre Stadt. „Das ist sicher nicht das letzte Mal“, sagt Ingeborg Krützberg aus Homberg vor dem „LoLu“. „Da gehe ich noch mal essen“, bestätigt eine Frau im „SuppeR“. Mancher, verraten die Erfinder des Programms, hat auch schon in München, Münster, Hamburg sein neues Lieblingslokal entdeckt. Und nebenbei mehr über seine Heimat erfahren.

Geschichten über Römer und Normannen – und übers Essen

Eben erzählt Melanie Berg, mit Wanderschuhen, Funktionsjacke und immer noch Servietten in der Umhängetasche, auf einem Parkplatz von Römern, Franken und Normannen (aber noch nicht, dass es gleich zu Metzger und Fischhändler geht). Da sagt Brigitte Küppers: „Ich lebe schon immer in Duisburg, aber ich habe mich nie richtig mit der Geschichte befasst.“ Und nicht mit der Küche.

Die ist natürlich nicht typisch Duisburg, aber eben Duisburg. So wie der Blaubeerbalsam in Dortmunds Kaiserviertel kein Dortmunder Gericht ist, die Ravioli nicht und nicht das vegane Sushi. So wie auch Bochum nicht bekannt ist für Satéspieße ohne Fleisch, spanische Pintxos oder Mohn-Marzipan-Eis. Aber die kleinen, inhabergeführten Läden, die das anbieten, können ein Stadtviertel ausmachen. Duisburgs Dellviertel macht sogar glücklich, wie man nach der Führung weiß: mit Zimtschnecken im „Café Glück“.

INFO: Neu ist Bochum ab dieser Woche dabei: Die erste Tour durch Bermuda-Dreieck und Ehrenfeld ist aber bereits ausgebucht. Nächste Termine in der Region: Duisburg 19. August, Essen-Rüttenscheid 20., 26., 27. August, Essen-Nord 26. August, Dortmund 26., 27. August, Bochum 3. September. Kalender und Buchungen (33 €): www.eat-the-world.com

 
 

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