Stadt Duisburg siedelt Roma-Familien aus Problemhaus um

In diese Häuser wurden in dem Modellversuch Roma umgesiedelt. Es gilt als gelungen, aber teuer.
In diese Häuser wurden in dem Modellversuch Roma umgesiedelt. Es gilt als gelungen, aber teuer.
Foto: Volker Hartmann
Es ist ein Modellprojekt, das man bewusst nicht öffentlich machte, um nicht neuen Ärger bei Nachbarn zu provozieren. Die Stadt Duisburg hat Roma-Familien aus dem Problemhaus "In den Peschen" umgesiedelt. Das Fazit ist durchaus positiv.

Duisburg. Auch in diesen Häusern möchte nicht jeder wohnen. Dicht an dicht, im Stil der 70er-Jahre, reichen sie bis zu zwölf Stockwerke hoch. Doch für Familie Miu sind sie das große Glück. Die Mius sind Roma. In der Hoffnung auf ein besseres Leben hatten sie sich auf den Weg nach Deutschland gemacht und landeten im Duisburger Problemhaus „In den Peschen“.

Ein Schock sei das gewesen, sagt Frau Miu. Der Dreck. Der viele Streit. Nun konnte die Familie umziehen, mit Hilfe der Stadt. Denn die arbeitet daran, das Problemhaus, das bundesweite Symbol für Roma-Einwanderung, aufzulösen.

Nur keine Unruhe provozieren

Es ist ein Modellprojekt, mehr nicht. Der Versuch, jene zu integrieren, von denen es heißt, sie seien nicht integrierbar. Und weil das Thema so belastet ist, hielt man es monatelang geheim. Bloß keine Ressentiments bei den neuen Nachbarn wecken, nur keine Unruhe provozieren. Vor fünf Monaten begann die Stadt Duisburg vier Roma-Familien aus „In den Peschen“ umzusiedeln, in einen anderen Stadtteil, andere Häuser.

Vier Familien mit insgesamt 50 Mitgliedern, mit vielen Kindern. Betreut werden sie von Sozialarbeitern der Arbeiterwohlfahrt und der Diakonie, untergebracht in einem Häuserblock der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Gebag.

Nach sechs Monaten, so der Plan, sollen sie auf eigenen Füßen stehen. „Parallel dazu überzeugten wir den Besitzer von ,In den Peschen’, Herrn Barisic, seine Häuser zu räumen. Zwei sind bereits leer. Von ehemals 700 dort wohnenden Menschen sind noch vielleicht 170 da“, erklärt Duisburgs Sozialdezernent Reinhold Spaniel.

Und damit dort auch niemand mehr einziehen kann, werden die Türen notfalls zugemauert. Wohin die Rumänen und Bulgaren weiterziehen, das weiß auch Dezernent Spaniel nicht so genau. In andere Stadtteile Duisburgs, nach Hochfeld, Marxloh, vielleicht auch in andere Städte Europas.

Seit Monaten pilgert Spaniel selbst nach Berlin und Brüssel, um dort wegen der drängenden Probleme mit Zuwanderern um Hilfe zu bitten. „Zu uns kommen nicht die gut Ausgebildeten, zu uns kommen die Analphabeten, die über keine Berufsausbildung verfügen. Sie kommen, weil sie in den Schrottimmobilien unterkommen“, sagt Spaniel.

Ausgewählt, weil sie als "mietfähig" galten

Nuta (43) und Christenel Miu (40) mit ihren sechs Kinder jedenfalls gehören zu jenen, die die Stadt nun probewohnen lässt. Ausgewählt wurden sie, weil man sie für „mietfähig“, für „integrationswillig“ hielt. Eben anders als das Gros der „In den Peschen“ Lebenden, über die die Nachbarn klagten, weil sie den Müll aus dem Fenster entsorgten, ihn vor den Häusern türmten und in den Nachbargärten ihre Notdurft verrichteten.

Unterstützt von zwei Sozialarbeiterinnen will man ihnen den Weg in den deutschen Alltag weisen. Man half ihnen, sich Pässe zu besorgen, unterrichtet sie zweimal pro Woche in deutscher Sprache, ihre Kinder wurden in Schulen und Nachbarschaftsgruppen angemeldet. Und Christinel Miu, der in Rumänien 15 Jahre im Lager einer Strumpffabrik gearbeitet hat, bevor er arbeitslos wurde, hilft inzwischen auf 450-Euro-Basis als Friedhofsgärtner aus.

Er sei „sehr glücklich“ über seine neue Lebenssituation, übersetzt die Dolmetscherin für Christinel Miu. Er hoffe nun, dass auch seine Kinder Ausbildung und Arbeit bekommen können, dass sie „später nicht auf der Straße landen und betteln“.

160.000 Euro kostet der Versuch

Und Nuta, seine Frau, probiert vorsichtig erste deutsche Worte: Danke. Auf Wiedersehen. Die beiden sorgten dafür, dass ihre Kinder regelmäßig zur Schule gingen und ihre Wohnung sei stets gepflegt, obwohl es weder Waschmaschine noch Staubsauger gebe, erzählt Derya Coktas, die bei der AWo für Zuwanderung zuständige Sozialwissenschaftlerin.

Für Coktas und Sozialdezernent Spaniel ist das Fazit des Modellprojekts ein positives. „Es funktioniert!“, sagt Spaniel, „aber der Aufwand ist groß. 160.000 Euro kostet der Versuch für vier Familien. Außerdem lässt er sich nicht auf alle Roma übertragen“. Spaniel gehört zu jenen, die keinen Hehl daraus machen, dass er viele Zuwanderer für kaum integrierbar hält.

Rund um das Problemhaus „In den Peschen“ ist es zuletzt jedenfalls deutlich ruhiger geworden. Das bestätigt auch der Rheinhausener Pfarrer Heiner Augustin, der aber zugleich kritisiert, dass für die Kinder der Zuwanderer zu wenig getan werde. Augustin: „Ein Symbol ist weg. Das Haus. Aber das ändert nichts am Grundproblem.“

 
 

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