Seit zwei Jahren in chinesischer Haft

Shenzhen/Unna.  Den Meisterschaftssieg seines BVB hatte Robert Rother unbeschwert gefeiert, bevor er sich in den Flieger nach Peking, China, setzte. Später am Abend war er mit seinem Freund in einer Bar verabredet und wollte anstoßen auf den Erfolg. Doch über Fußball konnten die beiden deutschen Geschäftsmänner nicht mehr reden. Stattdessen wurde Robert Rother festgenommen. Mehrere Polizisten führten ihn in der Bar ohne Begründung ab. Seit diesem Tag, dem 21. Mai 2011, sitzt der Investment-Banker aus Unna im Gefängnis. Seitdem wartet der 31-Jährige auf seinen Prozess, in dem es um eine gefälschte Unterschrift gehen wird. Aus Investment-Banker Robert Rother ist Häftling Nummer 639 in der Haftanstalt Nummer 3 in Shenzhen geworden.

„Es ist zum Verzweifeln. Roberts Mitarbeiterin soll eine Unterschrift gefälscht haben, und wahrscheinlich warten Anleger auf ihr Geld“, spekuliert Roberts Mutter Elfie Rother. Genaues weiß sie nicht, „wir erfahren nichts“. Die 56-Jährige führt einen verzweifelten Kampf für die Freiheit ihres Sohnes. Sie ist von dessen Unschuld überzeugt. Längst hat sie einen Anwalt eingeschaltet. Den besten, den es in Shenzhen gibt. „Es wäre mein größter Wunsch, das Robert dort aus dem Gefängnis rauskommt. Er wird misshandelt. Er ist krank. Seine Haut ist übersät mit entzündeten Pusteln, und sein Augenlicht hat sehr gelitten. Aber die medizinische Versorgung ist schlecht“, sagt sie. Sie schluckt und ringt um eine feste Stimme, während sie von blauen Flecken und Schnitten an Roberts Körper berichtet. Fünfmal durfte sie ihn im Gefängnis besuchen. Natürlich war die Polizei dabei, Gefängnispersonal und Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes. „Ich hätte ihn gerne umarmt“, sagt Elfie Rother. Aber das durfte und konnte sie nicht. Sei es, weil ihr Sohn durch Gitterstäbe von ihr getrennt war, sei es, weil er an Händen und Füßen mit Ketten an einen Stuhl fixiert war.

„Ich kann an nichts anderes mehr denken. Ich will ihm helfen, aber ich weiß nicht, wie.“ Ihre Briefe an Bundeskanzlerin Merkel und an Bundespräsident Gauck blieben folgenlos. Das Auswärtige Amt ist im Bilde, kann aber bislang auch nichts ausrichten. „Uns ist der Fall bekannt. Robert Rother wird vom Generalkonsulat betreut. Wir stehen in Kontakt“, erklärte das Auswärtige Amt auf Anfrage dieser Zeitung.

Als Robert Rother im Jahre 2004 beschloss, nach China zu gehen, hatte ihn seine Familie gewarnt. Vor einem System, das es nicht immer allzu genau nimmt mit den Menschenrechten. Doch der Überflieger, der gut rechnen konnte und sehr erfolgreich Aktiengeschäfte machte, war sorglos. Und erfolgreich.

„Er hatte keine Probleme. Alles funktionierte. Er fühlte sich gut. Bis zu jenem Tag“, berichtet seine Mutter. Sie selbst hat kein Vertrauen mehr in dieses Land, das ihr schon seit fast drei Jahren den Sohn vorenthält. Vor ihrem ersten Besuch im Gefängnis wurde Elfie Rother drei Stunden lang verhört. „Was genau sie ihm vorwerfen, ist nicht klar. Alle Anhörungen wurden abgebrochen. Robert hat keine Chance, sich zu verteidigen.“ Immer wieder heiße es, der Fall müsse noch überprüft werden.

Langsam geht das Geld aus

Es ist diese Ausweglosigkeit, die Elfie Rother zu schaffen macht. Auch das Geld geht ihr langsam aus. Über 100 000 Euro haben Anwalt und Flüge bereits verschlungen. Das alles wäre noch zu ertragen, wären da nicht andere Vorfälle, die ihr Sohn dem Anwalt anvertraute. Angedeutete Hinrichtungen („sie haben ihn nachts in einen Wald gefahren und hinknieen lassen“), Schläge. In einem Brief an seine Mutter hat der Sohn seinen Selbstmord angekündigt: „Liebe Mum, ich sehe hier keine Hoffnung mehr. Die machen was sie wollen. Wenn der Fall nicht bis zum ...(..), bin ich tot.“ Elfie Rother schrieb die Geschichte ihres Sohnes in dem Buch „Fast 1000 Tage“ auf. An seinem Geburtstag, dem 12. September, durfte sie ihn das letzte Mal sehen. Elfie Rother kämpft weiter.

 
 

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