Schneiderstadt im Bergischen lockt Besucher

Blick auf Werkzeugmacherei im Solinger Industriemuseum
Blick auf Werkzeugmacherei im Solinger Industriemuseum
Foto: LVR-Industriemuseum
In Solingen wurden einst Scheren in Handarbeit hergestellt. Die ehemalige Gesenkschmiede Hendrichs ist heute zu einem Museum umfunktioniert.

Solingen..  Für ihre Schneiderwaren ist die Stadt Solingen bekannt. Schon früher, in der Zeit der Industrialisierung, waren die Betriebe dezentral organisiert. Der Grund liegt auf der Hand: Wasser spielte eine große Rolle in den vielen Fabriken, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt angesiedelt waren. Diese Strukturen, geschichtliche Entwicklungen und Traditionen der Schneidwarenindustrie mitten im Bergischen, werden durch ein Partnernetzwerk der Industriekultur noch heute dargestellt.

Gesenkschmiede Hendrichs

Erster Anlaufpunkt ist die Gesenkschmiede Hendrichs. Dort hat das Museum seinen Hauptstandort. Museumsleiter Jochem Putsch erklärt: „In der Gesenkschmiede wurde früher der geschmiedete Rohling für Scheren hergestellt. Dazu gab es viele weitere Standorte, in denen zum Beispiel die typischen Taschenmesser hergestellt wurden.“ Auch in den Sommermonaten wird es wieder viele Angebote geben. Vor allem für Familien mit Kindern.

So wird es auf Absprache die Möglichkeit geben, sich in einem Workshop auf die Spuren von verschiedenen Phänomenen zu begeben. Warum rollen Würfel obwohl sie eckig sind? Warum fühlt sich eine Hand mal warm, mal kalt an, je nachdem welches Material sie berührt? Das sind Fragen, denen Kinder ab sechs Jahren in dem zweistündigen Workshop nachgehen können.

Gemeinsam mit Eltern oder Großeltern zum „Schmiedegesellen des LVR-Industriemuseum“ werden? Das ist in Solingen kein Problem. In der Schmiedewerkstatt können Kinder ab sieben Jahren ihre ersten Erfahrungen mit dem heißen Eisen machen. Mit dem schweren Hammer können sie das Stück auf dem Amboss bearbeiten und anschließend zurecht feilen.

Angetrieben wurde schon damals alles von einer Dampfmaschine. Aber wie hat die eigentlich funktioniert? Auch dazu wird es einen Workshop geben, der dem Nachwuchs die Maschine erklärt. Außerdem ist die Möglichkeit gegeben, eine Transmissionsmaschine nachzubauen. Antriebskurbel, Wellen und Transmissionsbänder werden benötigt, um den selbst gebauten Schleifstein anzutreiben. Und dann ist da noch die Villa Hendrichs. In dem über 100 Jahre alten Gebäude lebte einst die Familie von Peter Wilhelm Hendrichs. Kinder können sich hier auf eine Zeitreise begeben und der Frage nachgehen, ob es zu dieser Zeit schon Elektrizität und Licht gab. Das weitere Programm für die Ferien gibt es unter www.industriemuseum-solingen.de

Inklusion im Museum

Nicht nur in den Sommerferien gibt es in der Gesenkschmiede ein buntes Programm. Auch für den täglichen Besucher stehen Workshops zur Verfügung oder mobile Wagen, in denen Industriegeschichte lebhaft dargestellt wird. Auch das Thema Inklusion ist den Verantwortlichen wichtig. „Es gibt für blinde Menschen die Möglichkeit, durch Ertasten etwas zu erleben“, sagt Jochem Putsch. Natürlich sind diese im Museum verteilten Wagen aber besonders auf Kinder abgestimmt.

Seit Anfang Mai hat außerdem die Sonderausstellung „Im Schnitt gut“ geöffnet. Diese befasst sich mit der Geschichte der Schere, einem Thema, um das man in Solingen nicht herum kommt.

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