Salafisten-Prediger Sven Lau schweigt vor Gericht

Annika Fischer
Fröhlicher Gruß an seine Anhänger: Salafisten-Prediger Sven Lau am Dienstag hinter Sicherheitsglas im Oberlandesgericht Düsseldorf.
Fröhlicher Gruß an seine Anhänger: Salafisten-Prediger Sven Lau am Dienstag hinter Sicherheitsglas im Oberlandesgericht Düsseldorf.
Foto: dpa
  • 35-Jähriger soll für Salafismus und bewaffneten Kampf geworben haben
  • Nun beginnt sein Terror-Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf
  • Der bundesweit bekannte Prediger hüllt sich zum Auftakt in Schweigen

Düsseldorf. Wenn man eines nicht erwartet von diesem Prediger, dem sogar der Staatsanwalt „emotionale Rhetorik und hohe suggestive Wirkung“ bescheinigt, dann ist es: Schweigen. Genau so aber reagiert der Mann vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht, das seit Dienstag klären soll, ob Sven Lau, der Salafist, auch ein Terrorist ist. „Mein Mandant“, sagt Anwalt Mutlu Günal, es ist sein einziger Satz nach der Verlesung der Anklage, „wird sich schweigend verteidigen.“

„Scharia-Polizei“ in Wuppertal

Es hat nichts mit der „Scharia-Polizei“ zu tun, die Sven Lau 2014 in Wuppertal auf die Straße schickte, dass er nun schon neun Monate in Untersuchungshaft sitzt. Der Generalbundesanwalt wirft dem 35-Jährigen aus Mönchengladbach, wohl einer der bekanntesten Bärte in Nordrhein-Westfalen, die „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland“ vor. Nicht direkt des „Islamischen Staates (IS)“, aber der „Armee der Auswanderer und Helfer“, kurz „Jamwa“, die allerdings schon vor drei Jahren in der Terrororganisation aufgegangen ist.

Lau soll 2013 als „verlängerter Arm“ zwei Männer in den Kampfeinsatz in Syrien vermittelt, womöglich gar „geschleust“ haben, er soll einem von ihnen 250 Euro und dessen Chefs vor Ort drei Nachtsichtgeräte gebracht haben, gekauft für mehr als 3000 Euro im Bundeswehr-Shop und geliefert an die Schwiegermutter.

Mehr als nur Unterstützung

Für den 5. Strafsenat wäre das mehr als „nur“ Unterstützung: In einem rechtlichen Hinweis erklärte die Kammer bereits, auch eine Verurteilung wegen Mitgliedschaft und Beteiligung sei möglich. Die Ankläger stützen sich auf Chat-Protokolle, auf Fotos, die Sven Lau angeblich mit Panzer und Kalaschnikow in Syrien zeigen, und auf Zeugen. Einer von ihnen soll ein kürzlich in Stuttgart zu viereinhalb Jahren Haft verurteilter Rückkehrer sein. Der Angeklagte habe „Gelder für den bewaffneten Kampf beschafft“, heißt es, und „bedingungslosen Einsatz für den Dschihad gefordert“.

Lau selbst, helles Hemd und ordentlicher Bart, hört das mit zur Schau gestellter Gelassenheit. Nur manchmal tippt der Zeigefinger auf den Arm, zupft die Hand am Bart. Mit erhobenem Daumen und freundlich lächelnd hat der Prediger seine Anhänger im Saal begrüßt: Breitschultrige junge Bärtige mit Pluderhosen, einer trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Property of Allah“, Eigentum Allahs. Auch Bernhard Falk ist da, einst Links-Terrorist, heute Salafist und selbsternannter „Gefangenenhelfer“ in der Szene. Falk glaubt, Lau sei „einer, der ganz menschlich und emotional nach Syrien reist“. Und „keiner, der in militanten Gruppen agiert“. Humanitäre Hilfe und Widerstand gegen das Assad-Regime, das sei sein Ansporn.

Sven Lau selbst schweigt vor Gericht nicht deshalb, weil ihm nichts einfiele. Seinem Anwalt Mutlu Günal – einem von fünf Verteidigern – fällt sogar viel ein, er findet aber: „Sven Lau muss hier nicht seine Unschuld beweisen, sondern der Generalbundesanwalt seine Schuld.“ Das aber, ist Günal überzeugt, werde den Anklägern nicht gelingen. Einen „juristischen Blindflug“ unterstellt er ihnen, deren „Reise bald enden“ werde. Die Fotos mit Waffe aus dem Kampfgebiet: „Jeder läuft da mit einer Kalaschnikow rum, wirklich jeder.“ Die beiden Kronzeugen, auf die sich die Anklage stützt: „Der eine ein notorischer Lügner. Der andere leider verrückt.“ Günal, sichtlich entspannt nach dem ersten kurzen Prozesstag, „kann die Öffentlichkeit nur einladen, diese beiden kennen zu lernen“.

„Er soll mundtot gemacht werden“

Dazu hat sie noch an mindestens 30 Verhandlungsterminen Gelegenheit. Bis in den Januar hinein ist der Prozess geplant, der nur, so Günal, mit einem Freispruch enden kann. Und mit einer Entschädigung für Lau in Höhe von 25 Euro für jeden Tag in Untersuchungshaft. „Das wird der Bundesanwalt schon mal ansparen müssen.“ Warum sich der indes seiner Sache so sicher sei, auch darauf hat der Rechtsanwalt eine Antwort: Die Polizei habe mit seinem Mandanten „noch eine Rechnung offen“. Und Sven Lau, der Prediger, der vor Gericht höchst freiwillig schweigt: „Soll mundtot gemacht werden.“

  • Im Frühjahr 2015 war Sven Lau schon einmal verhaftet worden. Nach wenigen Wochen kam er wieder frei, die Beweislage war zu dünn. Diesmal sahen sich die Ermittler ausreichend gewappnet, das Gericht ließ die Anklage zu.