RTL feuert Moderator nach rassistischen Äußerungen

Wegen rassistischer Äußerungen auf Facebook ist ein belgischer Moderator gefeuert worden.
Wegen rassistischer Äußerungen auf Facebook ist ein belgischer Moderator gefeuert worden.
Foto: dpa-tmn
Ein belgischer Wettermoderator wird mitten in Brüssel von Arabern bedrängt. Seinem Zorn darüber macht Luc Trullemans auf Facebook Luft - und wird gefeuert. Der Fernsehsender RTL nennt das Verhalten inakzeptabel. Viele Belgier sind da anderer Meinung.

Brüssel.. Der Fernsehsender RTL Belgien hat seinen prominenten Wettermoderator wegen ausländerfeindlicher Äußerungen vom Dienst suspendiert. Luc Trullemans (61) habe einen rassistischen und islamfeindlichen Brief auf seiner Facebook-Seite ins Internet gestellt, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Auf der Seite fanden sich auch islamkritische Karikaturen. „Dies ist für den Sender inakzeptabel“, sagte eine Sprecherin von RTL-TVI der Agentur.

Nach eigenen Angaben war Trullemans am Freitag in Brüssel von vier Arabern angegriffen worden. Die Regionalzeitung „Sudpresse“ berichtete am Sonntagabend nach einem Interview über Details des Vorfalls. Dort erzählte der Moderator, er sei mit seinem Wagen langsam durch einen Brüsseler Stadtteil mit hohem Ausländeranteil gefahren, als hinter ihm ein Auto hupte und ihn bedrängte. Als er ebenfalls hupte, habe das Auto ihn überholt, ausgebremst und vier Männer seien ausgestiegen. Sie hätten orientalische Kleidung und Bärte getragen, ihn aggressiv beschimpft und gegen die Autotür geschlagen.

„Sie sagten mir, ich solle aussteigen, aber ich wollte nicht, weil ich Angst hatte, denn sie waren zu viert und ich war alleine“, sagte Trullemans im Interview der „Sudpresse“. „Sie haben geschrien, sie wären hier bei sich zuhause und ich sei nur ein kleiner Belgier.“ Er sei mit dem Wagen geflüchtet, habe aber gemerkt, dass die Männer ihm folgten. Erst vor dem RTL-Parkplatz hätten die Verfolger abgedreht. Der Angriff habe ihn derart schockiert, dass er seine Wut auf Facebook herausgelassen habe.

Moderator entschuldigte sich bei der muslimischen Bevölkerung

Der Wettermoderator entschuldigte sich später bei der muslimischen Bevölkerung für seine Äußerungen und schrieb laut Belga auf seiner Internet-Seite: „Nach dem Überfall habe ich (...) diesen Text in großem Zorn geschrieben. Ich möchte sagen, dass ich absolut kein Rassist bin.“ In einem Interview fügte Trullemans hinzu, er ziele nur auf eine kleine Minderheit Radikaler ab: „Das war nicht der typische Marokkaner oder Tunesier, den man sonst so auf der Straße trifft. Das waren Leute, die Ärger wollten.“

Der Wetterfrosch (“Monsieur Météo“) präsentiert seit Mitte der 1990er-Jahre den belgischen Zuschauern des Privatsenders RTL das Wetter. International bekannt wurde er als Chefmeteorologe bei Ballon-Rekordfahrten. So war Trullemans im Team des Schweizer Piloten Bertrand Piccard 1999 für die exakten Wettervorhersagen zuständig, mit deren Hilfe Piccard und sein Begleiter Brian Jones als erste im Ballon nonstop um den ganzen Erdball fuhren.

Soziale Kluft schürt Konflikte

Der prominente Moderator erhielt am Wochenende auf seiner Facebook-Seite von vielen Belgiern Unterstützung. Sie verlangten in einer Petition von RTL, die Suspendierung zurückzunehmen. Bereits am Sonntagvormittag unterstützten knapp tausend Menschen die Gruppe „Luc Trullemans und sein Recht auf Meinungsfreiheit“. Ein Mann schrieb: „Luc Trullemans ist das Opfer und wird dafür auch noch bestraft? Wo kommen wir denn da hin?“

Zudem forderten viele Unterstützer die Politiker auf, mehr zum Schutz der Bürger zu tun. In der EU-Hauptstadt Brüssel häufen sich immer wieder Klagen über Raubüberfälle - etwa auf EU-Mitarbeiter oder Diplomaten. Die soziale Kluft schürt Konflikte . dpa

 
 

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