Rettungspaket für Privatuni Witten/Herdecke steht

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Witten/Herdecke. Die Privatuni Witten/Herdecke ist vor dem Finanz-Kollaps gerettet. In einer nächtlichen Krisensitzung wurde ein Zukunftskonzept entwickelt. Es gibt neue Gesellschafter und der Medizin-Bereich wird neu ausgerichtet. Gleichzeitig müssen die Studenten tiefer in die Tasche greifen.

Um kurz vor 3 Uhr in der Nacht verkündete die Private Universität Witten/Herdecke die frohe Botschaft: Die Uni ist gerettet. In einer Krisensitzung wurde im Wissenschaftsministerium ein Zukunftskonzept entwickelt und verbindlich vereinbart, das der Hochschule eine nachhaltige Finanzierungsbasis schafft, heißt es in einer Mitteilung.

Die Uni-Leitung war mit einem straffen Sparplan in der Tasche in die nächtliche Krisensitzung gegangen. Um zwei Millionen Euro wollte die Hochschule ihre Verwaltungskosten senken. Gleichzeitig sollen die Studiengebühren erhöht werden und die Zahl der Studierenden steigen.

Eine Studenten-Initiative hat inzwischen Sponsorengelder gesammelt. Der neue Verein „Alumni-Initiative UWH” hat bereits Zusagen für über 800.000 Euro und will damit Anteile der Uni übernehmen.

Qualitätssteigerung angestrebt

Mit dem neuen Konzept wird es der Universität auch möglich sein, die Qualitätssteigerung zu erreichen, die notwendig ist, um vom Wissenschaftsrat die notwendige Zertifizierung zum Bezug von Landesmitteln zu erhalten.

Innovationsminister Andreas Pinkwart begrüßte, "dass die Hochschule mit ihrem neuen Konzept die Chance zu einem tragfähigen Neuanfang genutzt hat". Das Land werde die Zuwendung für das Jahr 2009 und 2010 in festen Raten leisten, wenn die im Zukunftskonzept festgelegten Voraussetzungen erfüllt sind. Pinkwart stellte jeweils weitere 2,25 Millionen Euro für beide Jahre in Aussicht, um das Zukunftskonzept zu einem Erfolg zu führen.

Die Kernpunkte des Konzeptes

Die Kernpunkte des Zukunftskonzeptes: Die Studiengebühren werden erhöht. Ihr Anteil an den Gesamteinnahmen soll von heute sieben künftig auf 20 Prozent steigen. Für ein Studium der Humanmedizin beispielsweise werden künftig statt 32.000 Euro dann 41.000 Euro fällig. Außerdem will die Uni auch durch neue Studiengänge mehr Studierene anlocken. Ihre Zahl soll von heute 1000 auf dann 1500 wachsen.

Um die Einnahmebasis zu sichern, ist des Weiteren die Beteiligung alter und neuer Gesellschafter mit Kapitaleinlagen von rund 16 Millionen Euro und einer Bürgschaft von 10 Millionen Euro vorgesehen.

Eine Restrukturierung vor allem im Verwaltungsbereich soll zudem Kosten sparen. Unter anderem werden in den nächsten fünf Jahren 30 der 400 Verwaltungsstellen sozialverträglich abgebaut, hieß es.

Konzentration auf Kern-Studienfächer

Die Privatuni wird sich künftig auf ihre Kernkompetenzen in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur konzentrieren. Dafür steht auch die Zusammensetzung der bisherigen und künftigen Gesellschafter, zu denen das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, die Software AG Stiftung, die Familie Droege ebenso gehören wie die Alumni-Initiative, das Kuratorium, der Studienfonds der Universität und die Stiftung UWH, die diese Entwicklung unterstützen werden.

Die Martinus Consult Rottenburg Stuttgart, getragen von der Diözese Rottenburg-Stuttgart, leistet ihren Beitrag mit dem Ziel der Sicherung der medizinischen Qualität der kirchlichen Krankenhäuser und Beteiligung kirchlicher Krankenhäuser an der universitären Krankenhausorganisation sowie der ganzheitlichen medizinischen Ausbildung nach dem Wittener Modell. Zur Stärkung dieses Bereichs hat Martinus Consult darüber hinaus in Aussicht gestellt, die Einrichtung eines Stiftungslehrstuhls für kirchliche Ethik zu unterstützen.

Medizinstudiengang wird ausgebaut

Das Konzept sieht weiter einen schrittweisen Ausbau von Lehre, Studium, Weiterbildung und Forschung vor. Ein besonderes Gewicht hat der Ausbau der Lehre und Forschung im Bereich der Medizin - dessen bisherige Ausrichtung Anlass war für die angedrohte Streichung der Landesmittel.

Hier sieht das Konzept eine Erhöhung der Mittel vor. Darüber hinaus plant die Hochschule mittelfristig neue interdisziplinäre Studiengänge und Forschungsvorhaben innerhalb der Schwerpunktbereiche Gesundheit, Wirtschaft und Kultur wie beispielsweise "Gesundheitsökonomie", "Demenzversorgung" oder "Management, Philosophie und Kultur".

Gerüchte, wonach sich die katholische Kirche an der Uni direkt beteiligt, wurden nicht bestätigt.

Mit Material von Claudia Vüllers und Peter Szymaniak

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