Radikale Islamisten-Prediger bleiben zu Hause

DerWesten

Bonn. Nach Absagen aus Berlin und Wien dürfen die Prediger der als Gewalt legitimierend geltenden Gruppe „Die wahre Religion“ auch nicht in der Bonner Al-Muhsinin-Moschee auftreten.

Die islamistische Szene muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Nach Absagen aus Berlin und Wien dürfen die Prediger der als Gewalt legitimierend geltenden Gruppe „Die wahre Religion“ nun auch nicht in der Bonner Al-Muhsinin-Moschee auftreten. Der Verein hat das für die Tage über Silvester geplante „Islam-Seminar“ der fundamentalistischen Vorbeter abgesagt, wie ein Mitglied des Moscheevereins der Nachrichtenagentur dapd am Montagnachmittag bestätigte.

Mit der Ausladung reagierte die Moschee nach eigener Aussage auf den öffentlichen Druck der vergangenen Tage. Im Anschluss an eine dapd-Meldung hatten diverse Zeitungen über das Seminar und die Gruppe „Die wahre Religion“ berichtet. Die nunmehr dritte Absage an die radikale Islam-Interpretation dieser Gruppe innerhalb weniger Wochen sei ein „ermutigendes Zeichen“, sagte die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur.

Die Al-Muhsinin-Moschee habe die Prediger aber wahrscheinlich weniger aus Überzeugung, sondern eher als Reaktion auf die Medienberichterstattung ausgeladen, sagte Dantschke. „Die Türen dieser Gemeinde standen diesen Rednern bisher immer offen. Die Absage ist daher umso bemerkenswerter.“ Nun müsse man den Jugendlichen erklären, dass es bei der Ausladung nicht nur um das Bild in der Öffentlichkeit gehe, sondern um die radikale Islaminterpretation der „wahren Religion“, sagte Dantschke.

Rechtfertigungen für den „Heiligen Krieg“

Verfassungsschützer rechnen die Gruppe dem sogenannten Salafismus zu, der als die am schnellsten wachsende radikale Strömung innerhalb des Islam gilt. Ihr Kopf ist der arabischstämmige Geschäftsmann Ibrahim Abou-Nagie, der in seinen Ansprachen die Einführung der Scharia, also des islamischen Rechtssystems, fordert, den Märtyrertod verherrlicht und Nichtmuslimen prophezeit, in der Hölle zu landen. Der Prediger Abu Abdullah, der ebenfalls bei dem Seminar sprechen sollte, rechtfertigt in seinen Predigten den bewaffneten „Heiligen Krieg“ als individuelle Pflicht eines jeden Muslims. Als Gewalt legitimierend, sowie verfassungs- und integrationsfeindlich gelten auch die Ansprachen des Predigers Abu Dujana.

Islam-Seminare beschäftigten in den vergangenen Wochen Verfassungsschützer in mehreren Bundesländern. Prediger der als besonders radikal geltenden Gruppe „Die wahre Religion“ wurden im Anschluss an Medienberichte von einer kleinen Moschee in Berlin-Neukölln und einer Wiener Moschee wieder ausgeladen.

Für die Weihnachtsfeiertage in Berlin und dem nordrhein-westfälischen Elsdorf angekündigte Islam-Seminare sollen dagegen stattfinden. In der Berliner Al-Nur-Moschee hat sich unter anderem der bekannte Prediger Pierre Vogel angekündigt, dessen Ansprachen als integrations- und verfassungsfeindlich, nicht aber als Gewalt legitimierend gelten. In einer Videobotschaft hat Vogel auch den Terroranschlag von Stockholm als nicht mit dem Islam vereinbar verurteilt. Weil er die Scharia als dem Grundgesetz überlegen ansieht und predigt, dass Nichtmuslime in die Hölle kommen, gelten aber auch Vogels Ansprachen als integrations- und verfassungsfeindlich. (dapd)