Oberhausen ist die fahrradfreundlichste Stadt im Revier

Tobias Blasius
In fast allen Kategorien des „Fahrradklimatests“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ist Münster Spitzenreiter.
In fast allen Kategorien des „Fahrradklimatests“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ist Münster Spitzenreiter.
Foto: Getty
14 000 Radfahrer haben ihre Noten vergeben. Im Revier konnte allerdings nur Oberhausen überzeugen. Ganz vorne in der Rangliste des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) steht wieder einmal Münster. Die Ergebnisse anderer Großstädte an Rhein Ruhr sind laut Studie „ernüchternd“.

Düsseldorf. Münster und das münsterländische Bocholt bleiben für Fahrradfahrer das Maß aller Dinge. Verkehrsnetz, Abstellmöglichkeiten, Wegweiser, Ampelschaltungen, Autofahrer-Rücksicht – in fast allen Kategorien des „Fahrradklimatests“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) erhalten beide Kommunen ordentliche Noten. Unter den Großstädten nennt ADFC-Landeschef Thomas Semmelmann Münster ein „strahlendes Beispiel“, sieht allerdings gegenüber der letzten großen Befragung 2005 erste Verschlechterungen.

Beim ADFC-Fahrradklimatest haben allein in NRW rund 14 000 aktive Radler die örtlichen Bedingungen bewertet. Insgesamt sei die Durchschnittsnote 4,0 insbesondere für die Großstädte an Rhein und Ruhr „ernüchternd“, sagte Semmelmann. Zu den positiven Beispielen gehört Oberhausen, die Nummer zwei in NRW und bundesweit auf Platz fünf.

Essen und Dortmund sind „Aufsteigerstädte“

Auffallend gut bewertet werden in Oberhausen das lokale Radwegenetz sowie die Erreichbarkeit der Innenstadt und die ordentliche Beschilderung von Strecken. Offenbar zahlt es sich aus, dass zwischen dem Einkaufszentrum Centro, dem OLGA-Gelände in Osterfeld und der City viel für Radfahrer getan wurde. Zwar bemängelt der ADFC, dass Oberhausen in der vorigen Befragung 2005 noch besser dagestanden habe. Im Vergleich zum restlichen Revier oder den einwohnerstärksten NRW-Kommunen Köln und Düsseldorf kann sich die Stadt jedoch weiter sehen lassen. Essen und Dortmund bezeichnet der ADFC gleichwohl als „Aufsteigerstädte“, da hier Fortschritte unverkennbar seien. Bei den „kleinen“ Großstädten bis 200 000 Einwohner werden vor allem Moers und Bottrop positive Entwicklungen bescheinigt.

Mit Sorge sehen die Radfahrer fehlende Investitionen in die Infrastruktur. Die Verkehrsführung im Kreuzungsbereich sei entscheidend für die Sicherheit auf dem Rad, sagte Semmelmann. Rechtsabbiegende Autofahrer seien häufig eine tödliche Gefahrenquelle. Der Verband plädiert für markierte Radwege auf der Straße anstelle von eigenen Trassen auf dem Bürgersteig. „Wir müssen im Sichtfeld der Autofahrer bleiben“, so Semmelmann.

„Radschnellweg Ruhr“ auf einem guten Weg

Der ADFC kritisierte Etatkürzungen. Rot-Grün wolle im aktuellen Haushaltsentwurf das Budget für den Radwegebau entlang von Landstraßen von zwölf auf acht Millionen Euro kürzen, sagte ADFC-Sprecher Thomas Rommelspacher, der selbst lange Grünen-Politiker war. Zudem strichen die Kommunen massiv ihre Mittel im Radwegebau. „Mit dem Aktionsplan Nahmobilität hat die Landesregierung bereits ein umfassendes Konzept zur Förderung des Radverkehrs vorgelegt“, erklärte dagegen Grünen-Verkehrspolitiker Arndt Klocke.

Der seit Monaten diskutierte „Radschnellweg Ruhr“ für Pendler ist nach Einschätzung des ADFC auf einem guten Weg. Bis Herbst soll eine vom Bund finanzierte Machbarkeitsstudie zur Trassenführung und Kostenschätzung vorliegen.