Nur Litauen hat mehr Niedriglöhner

Ruhrgebiet..  Etwa acht Millionen Menschen – beinahe jeder vierte Beschäftigte – arbeiten in Deutschland für Niedriglöhne. Sie verdienen zu wenig, um davon leben zu können. Deutschland hat damit nach Litauen den zweitgrößten Niedriglohnsektor in Europa. „Viele dieser Menschen müssen Hartz IV beantragen, obwohl sie arbeiten. Sie fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Das hat für unsere Demokratie gewaltige Folgen“, sagt Dietrich Bosch, Direktor des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen.

„Es ist wirklich bitter. Obwohl Deutschland ein reiches Land ist, arbeiten so viele Menschen für Niedriglöhne“, sagt Bosch. Dadurch mache sich bei ihnen große Resignation breit, die sich letztendlich auch auf ihre Kinder übertrage. Dabei seien viele von ihnen gar nicht minderqualifiziert, 80 Prozent hätten sogar eine berufliche Ausbildung.

Seit den 90er-Jahren bröckeltenzahlreiche Tarifverträge

Ausgelöst sei diese Entwicklung nicht allein durch die Agenda 2010 oder die Hartz-Gesetze, sondern auch dadurch, dass seit den 90er- Jahren viele Arbeitgeber ihre Verbände verlassen hätten und die Tarifverträge bröckelten.

In der Branche der Gebäudereiniger seien tatsächlich die Kontrollen „ein Riesenproblem. Vor allem in Bezug auf Arbeitszeiten und die Quadratmeter-Vorgaben“, so Bosch. Und obwohl der geltende Mindestlohn in dieser Branche ganz offensichtlich gern unterlaufen werde, befürworte er als Wissenschaftler die Einführung eines Mindestlohns. Würde der etwa für die Gebäudereiniger wegfallen, sänke dort von heute auf morgen der Stundenlohn. Gerhard Bosch: „Dann wird es noch schlechter!“

 
 

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