NRW-Minister Remmel stinksauer über Import-Gülle aus Holland

NRW-Umweltminister Remmel (Grüne) befürchtet unkontrollierte Gülle-Transporte aus den Niederlanden. Denn die EU plant eine Aufweichung der Regeln. Remmel sieht die Qualität des Grundwassers in Gefahr.

Am Niederrhein. Die Fracht kommt braun und stinkend per Lkw – Gülle. Die Bauern in den Niederlanden haben reichlich davon. Massiv betreiben sie Viehmast und Milchwirtschaft, eher wenig Ackerbau. Allein im letzten Jahr haben sie daher 750 000 Tonnen Gülle nach NRW exportiert. Das ist zumindest die offizielle Zahl: Dass es auch unangemeldete Transporte gibt, gilt unter Fachleuten als offenes Geheimnis.

Viele Landwirte sind dankbar für die dunkle Suppe: Die Import-Gülle ersetzt auf den Feldern teuren Kunstdünger. Sie ist mehr als die Hälfte billiger als Gülle zum Beispiel aus dem Münsterland, mehr noch: Mitunter gibt es sogar Geld fürs Entsorgen. Zahlen des Düsseldorfer Umweltministeriums zufolge wurden im vergangenen Jahr allein im Kreis Wesel 41 600 Tonnen Importgülle auf die Felder aufgetragen, im Kreis Kleve mehr als 55 000 Tonnen.

Sorge ums Grundwasser

NRW-Umweltminister Johannes Remmel stinkt der Gülle-Grenzverkehr gewaltig. „Wir können die Überschüsse aus der niederländischen Produktion nicht auffangen und sehen uns auch nicht in der Verantwortung dazu“, sagte der Grünen-Politiker auf NRZ-Anfrage. Remmel sorgt sich um die schon jetzt sehr hohe Nitratbelastung im Grundwasser, vor allem links des Rheins. Der Minister fürchtet, dass die Gülle demnächst völllig unkontrolliert nach NRW gelangen könnte.

Bisher muss jeder Gülletransport nach NRW einzeln genehmigt und noch im Nachbarland wärmebehandelt werden. Das hatte Remmel im November 2010 angeordnet. Dagegen läuft die niederländische Regierung aber nun Sturm. Sie pocht auf freien Warenverkehr und stößt in Brüssel auf offene Ohren. Die EU-Kommission hat angedeutet, die Bestimmungen ändern zu wollen.

Den „Überwachungsbehörden werde dann jede Möglichkeit zum eingegreifen genommen“ fürchtet Remmel und hat einen „Brandbrief“ an Bundesministerin Ilse Aigner geschrieben. Er hat die Trinkwasserversorger dabei an seiner Seite. „Mit großer Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass diese nationalen Regelungen nunmehr durch eine Intervention der EU aufgeweicht werden sollen“, heißt es bei Gelsenwasser.

 
 

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