Neue Landesvertretung im Herzen des Europaviertels

Vom Rande des Brüsseler Europaviertels in seine Mitte: In der neuen NRW-Landesvertretung in der Rue Montoyer, nur ein Steinwurf vom Europäischen Parlament entfernt, versucht NRW, seine Position in der Europa-Hauptstadt spürbar aufzuwerten.

Mit welch hohem Einsatz die sechzehn Länder mittlerweile in Brüssel um Einfluss, Macht und EU-Milliarden ringen, zeigt sich exemplarisch an der Vertretung des Freistaats Bayern, die im ehemaligen Institut Pasteur untergebracht ist. Wegen der enormen Ausmaße wird die Bayern-Immobilie in der Brüsseler Euroszene meist als „Schloss Neuwahnstein“ belächelt.

Von solch fragwürdigen Superlativen ist Nordrhein-Westfalens neue Brüsseler Visitenkarte weit entfernt. Das von Grund auf modernisierte, transparente Gebäude ermöglicht auf nun 2000 Quadratmeter Fläche effizienteres Arbeiten durch kurze Wege. Außerdem bietet das einladend gestaltete Erdgeschoss reichlich Platz für repräsentative Anlässe. „Am alten Standort sind wir einfach an Kapazitätsgrenzen gestoßen“, begründet Hans Stein, Leiter der „NRW-Botschaft“, den Umzug. In der Avenue Michel Ange verteilten sich die 33 Mitarbeiter (27 feste plus sechs Praktikanten und Referendare) auf nicht weniger als vier Gebäude. „Vernünftige Kommunikation war dort nicht mehr möglich, meistens mussten sich die Kollegen umständlich per E-Mail austauschen.“

900.000 Euro an Mietkosten muss NRW-Finanzminister Linssen jährlich nach Brüssel überweisen. Beträge wie diese sorgen regelmäßig für Empörung, meistens beim Bund der Steuerzahler. „Allerdings zu Unrecht“, entgegnet Stein, der auf die erfolgreiche EU-Lobbyarbeit seines Hauses für NRW hinweist. Dass von den 150 Millionen Euro Brüsseler „Kyrill“-Entschädigung allein fast 100 Mio nach NRW flössen, sei vor allem der NRW-Initiative zu verdanken. Außerdem wäre ein völliger Umbau in der Michelangelo-Straße ebenfalls in die Millionen gegangen.

Dass das Jahr 2010 im Ruhrgebiet ganz im Zeichen der „Europäischen Kulturhauptstadt“ steht, soll sich im Brüsseler NRW-Haus schon jetzt bemerkbar machen. Die Säle und Räume im Parterre sind nach großen Künstlern des Landes benannt: Ludwig van Beethoven (Schöpfer der Europa-Hymne), Heinrich Heine, Heinrich Böll, Else Lasker-Schüler, Annette von Droste-Hülshoff, August Macke und Max Ernst. Mit einer Veranstaltungsreihe aus Konzerten und Lesungen will das neue NRW-Haus neben den bisherigen Schwerpunkten Wirtschaft zusätzlich punkten.

Trotz aller Modernität gibt es in der Rue Montoyer noch eine kleine Reminiszenz an die alte Adresse, dem früheren Wohnhaus des bekannten belgischen Bildhauers Jules Lagae. Die Marmorbüste des alten Jules haben sie mitgenommen und in der ersten Etage aufgestellt.

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