Müngstener Brücke droht Sperrung

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Solingen/Remscheid. Das Eisenbahn-Bundesamt droht mit der Sperrung der Müngstener Brücke. Grund: Die 113 Jahre alte Stahlkonstruktion von Deutschlands höchster Eisenbahn-Brücke ist marode.

Sie zieht jährlich Tausende Besucher in ihren Bann: Die Müngstener Brücke, mit 107 Metern Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke, überspannt in idyllischer Landschaft das Tal der Wupper und ist mit dem darunterliegenden Brückenpark ein stark frequentiertes Ausflugsziel im Bergischen Land. Doch die 113 Jahre alte, denkmalgeschützte Stahlkonstruktion auf der Bahnstrecke Remscheid-Solingen ist in Gefahr. Marode Bauteile gefährden die Betriebssicherheit.

Für große Aufregung im bergischen Städtedreieck Solingen, Remscheid, Wuppertal sorgt die Drohung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), die Brücke ab Oktober zu sperren. "Wir haben der Bahn diesen Schritt angekündigt, sollten wir bis 30. September keine Funktionsnachweise über die Standsicherheit haben", sagt EBA-Sprecher Ralph Fischer. Sollten diese Nachweise nicht rechtzeitig eintreffen, könnte die Brücke dann "möglicherweise" gesperrt werden.

Schrittgeschwindigkeit für Regionalzüge

Das Bonner EBA, Aufsichtsbehörde für die Sicherheit im Bahnbetrieb, erließ bereits einschneidende Betriebsbeschränkungen für die Brücke. Die Züge der Regionalbahn 47, in der Region "Müngstener" genannt, dürfen nur noch mit zehn Stundenkilometern über das Bauwerk zuckeln - und das auch nur noch einzeln. Zwei Züge zugleich will die Behörde der Brücke nicht mehr zumuten. Der einzige Güterzug, der die Strecke bislang täglich passierte, muss, weil für die Brücke zu schwer, nun einen 45 Kilometer langen Umweg über Wuppertal in Kauf nehmen.

Das Hauptproblem sieht das EBA in Schäden der sogenannten Loslager, die auf beiden Seiten der Brücke montiert sind. "Es gibt Hinweise darauf, dass es hier Probleme gibt", sagt Fischer. Die Lager fangen normalerweise die von den Zügen ausgehenden Schwingungen sowie Wärmeausdehnungen des Materials ab. Defekte Loslager können diese Aufgabe nicht mehr leisten und Risse oder Brüchen in der Brückenkonstruktion zur Folge haben.

Zweifel am Bahn-Management

Bei der Bahn räumt man die Probleme ein und will der Aufforderung der EBA rechtzeitig nachkommen. "Der Austausch der Lager wird vorbereitet", versichert ein Sprecher. Auch die statische Neuberechnung der Brücke solle dem EBA pünktlich vorliegen. Grundsätzlich sei das Bauwerk aber nach wie vor standsicher. Rund 400.000 Euro investiert die Bahn nach eigenen Angaben pro Jahr in die Instandhaltung der Müngstener Brücke. Es gebe regelmäßige Inspektions- und Rostschutzprogramme, so der Sprecher.

Doch in der Region wachsen die Zweifel am Bahn-Management der Brücke. Die gravierenden Betriebseinschränkungen zeigten, dass die Bahn das Bauwerk bereits massiv vernachlässigt habe und möglicherweise sogar aufgeben wolle, so die Befürchtung. In unangenehmer Erinnerung ist hier zudem die spontane Stilllegung der Wuppertaler Schwebebahn für mehrere Monate - ebenfalls wegen Materialschäden. Schwebebahn und Müngstener Brücke sind nahezu gleich alt und ähnliche Stahlkonstruktionen.

Besonders verärgert zeigt sich Remscheids Oberbürgermeisterin Beate Wilding (SPD). Kurz vor den Auflagen des EBA sei aufseiten der Bahn keine Rede von Einschränkungen gewesen. "Man hat dort keine Hemmungen, einem frech ins Gesicht zu lügen", wird sie in der Lokalpresse zitiert. Zuversichtlich zeigt sich unterdessen der bergische Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt (CDU), der sich zum Thema jüngst mit Bahnverantwortlichen getroffen hat. Ihm sei der zügige Beginn der Reparaturen zugesagt worden: "Ich habe nicht den Eindruck, dass man die Müngstener Brücke dort loswerden will." (ddp)

 
 

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