Müllstreit stinkt Mülheimern

Kristina Mader

Mülheim.  Seit zwölf Jahren stellen Eva Heintzen und ihre Nachbarn an der Westminsterstraße in Mülheim ihre Mülltonnen einfach vors Haus. Die Müllabfuhr holt sie von der Bordsteinkante ab und leert sie. Doch damit ist es nun vorbei. Die Stadt und die Mülheimer Entsorgungsgesellschaft (MEG) haben festgestellt, dass die Straßen der Einfamilienhaus-Siedlung zu klein sind für ihre Müllwagen. Seit zwölf Jahren rangieren die rückwärts in die Spielstraßen, weil kein Platz zum Wenden ist. Und das darf nicht sein.

Drum sollen die Bewohner der betroffenen 109 Haushalte ihre Mülltonnen zu acht Sammelstellen bringen, die nun eigens dafür hergerichtet werden. Den Anwohnern stinkt das gewaltig – sie fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt und wehren sich, unter anderem mit einer Online-Petition und „Flash-Mobs“ auf den Müll-Sammelplätzen.

Eva Heintzen zum Beispiel könnte bald auf bis zu 66 Mülltonnen vor ihrem Haus blicken. „Immer dann, wenn grüne und braune Tonnen gleichzeitig geleert werden.“ Als Tagesmutter sei sie dadurch beruflich gefährdet. „Wenn Eltern den ganzen Müll sehen, drehen sie wieder um.“

„Einige Nachbarn müssen ihre Tonnen dann bis zu 100 Meter weit ziehen“, sagt auch Marc Herrschaft. Gleich neben seinem Garten haben Arbeiter bereits Steinplatten für einen Sammelplatz mit 14 Tonnenplätzen verlegt. „Das wird eine erhebliche Geruchs- und Lärmbelästigung geben.“ Vor allem ärgert Herrschaft „die schlampige Planung der Stadt“. Als die Siedlung 2001 gebaut wurde, sollten die Straßen eine Breite von 3,50 Meter aufweisen. „Manche Straßen sind aber nur 3,30 Meter breit. Anscheinend hat das damals niemand kontrolliert.“ Die Müllwagen sind 2,50 Meter breit.

Stadt und MEG stecken in der Zwickmühle. Zwölf Jahre lief die Abholung zwar reibungslos. Doch eigentlich, erklärt MEG-Chef Jürgen Jeppel, „ist es rechtlich so, dass wir gar nicht rückwärts in die Straßen fahren dürfen“. Passiere ein Unfall, machen sich Fahrer und Geschäftsführung strafbar. Erst vor einem halben Jahr hatten Mitarbeiter auf den Missstand aufmerksam gemacht.

Auch die Stadt beharrt: Die Breite der Straßen sei richtig vermessen. Denn: „In der Siedlung war es planerisch nie vorgesehen, dass dort ein Müllwagen durchfahren soll“, erklärt Sprecher Volker Wiebels. Von Anfang an seien Sammelplätze vorgesehen gewesen. Wahrscheinlich habe sich die Abholung vor der Haustür schleichend ergeben, ohne dass es jemandem aufgefallen sei.

Dem widerspricht Eva Heintzen: „Abfallsammelplätze waren nie Teil des Kaufvertrages – sonst hätten wir uns nicht für das Haus entschieden.“ Das Gestaltungshandbuch der Wohnsiedlung sehe lediglich vor, dass die Tonnen nicht offen stehen sollen, sondern in Buchten oder Boxen versteckt werden sollen. Von Sammelplätzen sei dort keine Rede.