Modellflieger fürchten um ihr Hobby

Waltrop..  Vrooommm. Kaum ist das Flugzeug da, ist es auch schon wieder weg. Schießt auf dem Kopf in zwei Meter Höhe über die kurzgemähte Rasenfläche, bevor es sich in Loopings wieder in die Höhe schraubt. „Sehen Sie“, sagt Heinz Köhler und zeigt in den Himmel. „Schon ist es 100 Meter hoch.“ 100 Meter sind nämlich nichts. „Nicht beim Modellflug“, weiß der Geschäftsführer des Lohburger Modellflug Sport-Clubs. Und genau das ist das Problem.

Denn das Bundesverkehrsministerium will die Luftverkehrsordnung ändern. Künftig soll dort unter anderem stehen: „Private Drohnen-Flüge werden verboten in einer Höhe von mehr als 100 Metern.“ Damit will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) „Gefährdungen im Luftraum und am Boden“ vermindern. Hintergrund sind Zwischenfälle, bei denen Drohnen – oder Multikopter, wie sie technisch korrekt heißen – Flugzeugen zu nahe kamen oder mit ihren eingebauten Kameras Unfallorte oder privates Gelände filmten. „Immer sind es nur Drohnen“, sagt Ludger Katemann, Vizepräsident des Deutschen Modellflieger Verbandes. „Aber wenn für Drohnen etwas geregelt wird, dann betrifft das auch die Modellflugzeuge.“

Deshalb ist die geplante Gesetzesänderung natürlich auch Gesprächsthema beim Freundschaftsfliegen, zu dem der Lohburger Club an diesem Tag auf sein Vereinsgelände in der Nähe von Waltrop eingeladen hat. Würstchen vom Grill und Kuchen gibt es, dazu immer wieder ein Kopfschütteln. „Wir brauchen keine neuen Gesetze“, sagt Vereinsvorsitzender Michael Krisam. „Die bestehenden müssen nur konsequent befolgt werden.“ Denn schon heute kann – verkürzt gesagt – nicht jeder fliegen, wie und wo er gerne möchte. „Eigentlich ist bereits alles geregelt. Man muss sich nur daran halten.“

Kleinere Vereine sind in Sorge

Aufstiegsgenehmigungen gibt es, Flugverbotszonen, Lärmmessungen, Kennzeichnungs- und Schulungspflichten und jede Menge anderer Vorschriften. Und an die halten sich die Modellflieger aus dem Ruhrgebiet offenbar. „Probleme für die öffentliche Sicherheit, die von herkömmlichen Modellfliegern ausgehen, sind uns nicht bekannt“, sagt Sigrun Rittrich, Sprecherin der Bezirksregierung Münster.

„Warum also eine 100-Meter-Regelung“?, fragen sich die rund 150 000 verbandsmäßig organisierten Modellflieger in Deutschland. Zumal eine solche Flughöhenbegrenzung nach Überzeugung der Hobbypiloten keinen Sicherheitsgewinn bedeuten würde. Im Gegenteil: „Bei stärkeren Modellen haben die Piloten in größerer Höhe viel mehr Raum und Zeit, um auf unvorhergesehen Dinge zu reagieren“, weiß Köhler.

„100 Meter sind doch Quatsch“, findet auch Jürgen Wertz aus Dortmund, der mit seinem Luxemburger Polizeihubschrauber zum Treffen gekommen ist. Zu Hause hat er auch einen großen Segelflieger. „Da beginnt bei 100 Metern gerade mal der Landeanflug. Sollte das neue Gesetz kommen, dann kann ich damit gar nicht mehr fliegen.“

Wertz ist kein Einzelfall. „Von den 20 Wettbewerbsklassen die es im Verband gibt, wären 17 von der neuen Regelung betroffen“, gibt Katemann zu bedenken und plädiert weiter für die seit Jahrzehnten praktizierte Regel. „Immer nur so hoch fliegen, dass man sein Flugobjekt noch sehen kann.“

Sollte das Gesetz geändert werden, sehen die Modellflieger schwarz. Wobei die Lohburger mit rund 200 Mitgliedern noch zu den größten Vereinen in Deutschland zählen und deshalb gute Karten haben. „Wir könnten das vielleicht noch verkraften“, sagt Köhler, „aber viele kleinere Vereine würden sich wahrscheinlich auflösen.“ Eine Petition haben die Verbände deshalb gestartet und die Aktion „pro Modellflug“ ins Leben gerufen, während die Vereine die für ihr Gebiet verantwortlichen Bundestagsabgeordneten angeschrieben haben. „So schnell“, kündigt Katemann an, „geben wir nicht auf.“

 

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