Mit einem Kuss in aller Munde

„Ein Kuss in der Straße“: Mit diesem Foto haben Björn Czepan (mit dem Rücken zum Betrachter) und sein Freund mediale Aufmerksamkeit erzeugt. Foto: privat
„Ein Kuss in der Straße“: Mit diesem Foto haben Björn Czepan (mit dem Rücken zum Betrachter) und sein Freund mediale Aufmerksamkeit erzeugt. Foto: privat
Foto: WAZ FotoPool

Herne/Kapstadt.. Ein Jurastudent aus Herne ist mit einem Foto, auf dem er seinen Freund küsst, in die Schlagzeilen geraten – und zwar in Südafrika.

„Ein Kuss in der Straße“ heißt das Spektakel, das die Studenten im Universitätsstädtchen Stellenbosch bei Kapstadt alljährlich veranstalten. Die südafrikanische Homosexuellen-Vereinigung „Lesbigay“ rief zum ersten Mal auf mitzumachen. Und so knutschte Czepan seinen Begleiter bei der Parade innig. Eine Fotografin lichtete die Kuss-Szene mit beider Zustimmung ab, das Foto landete auf der Titelseite der Studentenzeitung. Mitte August ist die Ausgabe erschienen – und der 30-Jährige seitdem fortlaufend in den Medien am Kap der guten Hoffnung.

Kurz darauf berichtete die renommierte Cape Times darüber, ebenso der Afrikaans-sprachige „Rapport“. „Und gestern Abend war ich noch Talk-Gast in einer Radioshow“, erzählt Björn Czepan beim Treffen im „Mimi’s“, einem Café im Studentenviertel Observatory. Er gibt gerne Auskunft, denn: „Ich habe nichts zu verbergen.“ Warum auch? Hier, in Kapstadt, muss sich nicht verstecken, wer homosexuell ist. Die „Mutterstadt“ gilt als liberal, schwule Pärchen scheuen hier nicht das Licht der Öffentlichkeit.

Anders sieht es in Stellenbosch aus, Zentrum der südafrikanischen Weinindustrie und 50 Kilometer von der Metropole entfernt. „Stellenbosch ist eher konservativ“, weiß Björn Czepan nach 13 Monaten Aufenthalt in Südafrika. Dennoch sagten er und sein Begleiter Mark Brown ohne Zögern zu, als Vanessa Smeets nach einem geeigneten Motiv suchte, um über den „Kuss in der Straße“ fotografisch zu berichten. Mit der Folge, dass über die Zurschaustellung homosexueller Gefühle empörte Stellenbosch-Studenten einen Teil der 8000 Zeitungsexemplare noch am Erscheinungstag wütend zerrissen. Obendrein erhielt „Lesbigay“ wüste Beschimpfungen per E-Mail.

Reaktionen aus
Europa und den USA

„Der überwiegende Teil der Reaktionen war aber positiv“, freut sich Björn Czepan. So habe er auf seinem Facebook-Eintrag rund 80 Nachrichten von Menschen erhalten, die ihm zu diesem Schnappschuss gratulierten. „Einige schrieben sogar, dass sie sich durch mich ermuntert fühlen, sich zu ihrer eigenen Homosexualität öffentlich zu bekennen.“ Briefe erreichten ihn nicht nur aus Südafrika, sondern auch aus Europa und den USA.

In Deutschland hat sich die Geschichte des Herners dagegen noch nicht herumgesprochen. Dabei kehrt Björn Czepan, der an der Universität von Kapstadt seinen „Masters“-Abschluss machte, am 4. September wieder in die Heimat zurück.

Schweren Herzens, denn er muss sich nicht nur vom Land, das er kennen und schätzen gelernt hat, sondern auch von seinem südafrikanischen Partner trennen.

Doch lange wird er sich im Ruhrgebiet nicht aufhalten. „Voraussichtlich am ersten November trete ich mein Referendariat in Berlin an“, sagt er. Schafft er dann das Zweite Staatsexamen ebenso gut wie das Erste, das er am Düsseldorfer Oberlandesgericht abgelegt hat, will er Richter werden. „Oder ich gehe für eine Nicht-Regierungsorganisation wieder zurück nach Südafrika.“ Oliver Berger

 
 

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