Mehr als 37.000 Besucher im Bochumer Musikforum

Musiker der Musikschule spielten schon auf der Straße für die Wartenden auf.
Musiker der Musikschule spielten schon auf der Straße für die Wartenden auf.
Foto: Ingo Otto
Mit einem Bürgerfest wurde das neue Musikforum in Bochum am Wochenende eröffnet. Mehr als 37.000 Menschen kamen – und staunten.

Bochum.. Werner Daute hat es ja geahnt, dass es voll wird. „Proppenvoll“, hat er zu seiner Ehefrau Regine gesagt. „Du wirst schon sehen.“ Und nun ärgert er sich ein wenig, dass er Recht behalten hat. Denn nun stehen sie in der Schlange und warten. Dabei wollten sie „nur mal kurz vorbeischauen“ bei den Tagen der offenen Tür im neu eröffneten „Anneliese Brost Musikforum Ruhr“. Aber „kurz“ ist ein Problem. Denn viele wollen vorbeischauen. Und die meisten nicht nur kurz.

Wenige Minuten erst sind die Türen geöffnet am Samstag, da melden die elektronischen Zählwerke an den Eingängen schon den 1000. Besucher. Bis Sonntagabend waren es mehr als 37.000.

Forum-Sprecherin: "Wir sind überwältigt“

Zeitweise reichten die Schlangen zu beiden Seiten über 100 Meter lang. „Wir sind überwältigt“, sagt Forum-Sprecherin Christiane Peters. Das sind die meisten Besucher auch, wenn sie erstmals seit Jahren wieder das Schiff der Marienkirche betreten, um das herum das neue Forum gebaut wurde. Handys werden aus den Taschen gezogen, um Fotos zu machen.

„Gute Idee“, sagt eine Frau und meint damit die Umwandlung des neogotischen Hauses zu einem großen Foyer. Sehr freundlich weil sehr hell wirkt der hohe, große Raum, bietet zur Eröffnung aber auch die Qual der Wahl. Wo soll es hingehen? Lieber nach rechts in den Multifunktionssaal, wo Chöre singen und Musikschüler spielen? Oder nach links in den großen Konzertsaal? Wo beige-graue Farbtöne und amerikanische Kirsche das Bild bestimmen und eine Einfassung aus Klinkersteinen vor dem Lärm der Straße schützt. Am Nachmittag steht dort das Blasmusikorchester der Ruhruni auf der Bühne, am Abend ist es die Rocksängerin Pamela Falcon und dazwischen sind es ganz viele andere.

Viele verschiedene Gruppen gibt es beim Musikforum

Oder soll man bleiben, wo man reingekommen ist? Zur Eröffnung nämlich gibt es auch in der Kirche reichlich Programm – vom A-Capella-Chor über ein Mittelalter-Ensemble bis zu den Urbanatix-Straßenkünstlern. „Ich finde es gut, dass man so viele Gruppen in das Programm eingebunden hat, sagt Sandra Grave. „Ich könnte den ganzen Tag hier verbringen.“

Überhaupt gibt es viel Lob für das Musikforum. „Schön“, sagt Christel Hansen, und die Freundin Barbara Waltring nickt. „Viel schöner, als man es sich vorgestellt hat.“ Da will Horst Hansen nicht widersprechen, muss aber doch ein wenig Wasser in den Wein schütten. „Hoffentlich kann die Stadt dieses Haus auf Dauer unterhalten.“

Viel Lob, kaum Kritik von den Besuchern

Auch Anton Matskevitch ist angetan vom Musikforum. Von außen sei die Architektur des Gebäudes zwar nicht so gelungen, im Inneren aber wehe „ein Hauch von Industriekultur“. „Und die Akkustik ist sehr gut“, hat der 28-Jährige Chorsänger bei einem Auftritt am Morgen festgestellt.

Man muss dann auch lange suchen, bis man kritische Stimmen findet. Sie erzählen von „Türen, die zu schwergängig sind“ oder beklagen die „unzureichende Beschilderung der Toiletten“. Oder sie meckern, dass der große Saal zu klein sei mit seinen 960 Plätzen. Was allerdings nur stimmt, wenn bei dem Auftritt von 300 Kindergartenkindern nicht nur Mama und Papa mitkommen sondern auch Oma und Opa, Tante und Onkel. „Wir haben die Vorstellung dann einfach zwei Mal gegeben“, sagt Christiane Peters.

Ansonsten aber, zieht die Pressesprecherin am Sonntagnachmittag Bilanz, habe so eine „Art Woodstock-Stimmung“ geherrscht. „Alle wirkten glücklich und zufrieden.“ Nun stehe man „vor der Herausforderung, das Haus weiterhin mit Leben zu füllen“. Regine Daute ist dabei. „Mir gefällt das so gut hier, dass ich in Zukunft mal wieder öfter ein Konzert besuchen werde.“ Ehemann Werner hat da allerdings eine Bedingung für den Fall, dass er als Begeitung eingeplant wird. „Nur wenn der VfL Bochum nicht spielt.“

 
 

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