Mehr als 20.000 wollen gegen Preis für Erdogan protestieren

Umstrittener Gast: Recep Tayyip Erdogan. Foto:ap
Umstrittener Gast: Recep Tayyip Erdogan. Foto:ap
Foto: AP
Armenische und kurdische Gruppen wollen gegen die geplante Verleihung des „Steiger Awards“ an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan protestieren. Die Polizei rechnet mit einer Großdemo; angemeldet sind mehr als 20.000 Teilnehmer. Veranstalter Sascha Hellen verteidigt die Entscheidung.

Bochum.. Diese Gala lockt seit Jahren Stars aus aller Welt nach Bochum, die man sonst eher in Berlin oder München wähnt: Hollywoodgrößen, Staatsmänner, Königinnen, Musikikonen. In diesem Jahr allerdings klebt am „Steiger Award“ mehr Ärger, als Organisator Sascha Hellen, 34, lieb sein kann. Armenische und kurdische Gruppen wollen am Samstag im Vorfeld der Preisverleihung an den umstrittenen türkischen Ministerpräsidenten Erdogan demonstrieren. Laut Polizei sind bereits mehr als 20.000 Teilnehmer angemeldet.

Hellen rief den Ruhrgebietspreis in acht Kategorien vor sieben Jahren ins Leben. Persönlichkeiten, die sich durch Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz auszeichnen, sollen damit geehrt werden. Das provoziert bei einem Namen wie Erdogan Widerspruch. Hellen sah sich genötigt, klarzustellen, dass Erdogan ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt sei und nicht selbst ausgezeichnet werde: „Er nimmt den Preis stellvertretend für das türkische Volk entgegen, für das fünfzigjährige Miteinander von Deutschen und Türken, das im Ruhrgebiet besonders gelungen ist.“

Das besänftigt die Gegner keineswegs. Der Zentralrat der Armenier hat die Preisträger, darunter Königin Silvia, Horst Köhler und Christiane Hörbiger, sogar zum Boykott aufgerufen, der Armenisch-Akademische Verein bittet Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz abzusagen. Die äußert sich zu den Querelen nicht.

Der Jury aus ehemaligen Preisträgern, Laudatoren und ihm selbst sei „klar gewesen, dass diese Entscheidung nicht nur auf Anerkennung stößt“, räumt Hellen ein. Dass der Protest solche Dimensionen annehme, damit habe er nicht gerechnet. Der Ablauf der Veranstaltung, beteuert er, werde nicht gestört. Die Sicherheitsmaßnahmen seien streng wie in jedem Jahr, schließlich habe man beim „Steiger“ schon Gäste wie Afghanistans Präsidenten Hamid Karzai in der Jahrhunderthalle begrüßt.

Landesregierung ist nicht vertreten

Dass Mitglieder der Landesregierung fernbleiben, bringt Hellen nicht mit Erdogan in Verbindung. Hannelore Kraft habe nach dem Rücktritt Christian Wulffs mitgeteilt, sie sei zur Wahl des neuen Bundespräsidenten in Berlin, Umweltminister Remmel sei angefragt gewesen, habe aber „nie eine Zusage gegeben“. Und dass Justizminister Thomas Kutschaty, der Kraft vertreten sollte, wegen eines privaten Termins nicht kommen könne, sei ihm nicht bekannt.

Wichtig sei, so Hellen, dass weder Preisträger noch Laudatoren abgesagt hätten. Vor allem einer nicht: Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Der hält die Rede zum Preis, den Erdogan annehmen wird.

 
 

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