Land will Soester Radstreifen abschaffen

Matthias Korfmann

Soest.  Eine Extra-Spur für Radfahrer mitten auf der Straße: Soest ist stolz auf diese Erfindung. Die Stadt bekam dafür sogar den Deutschen Fahrradpreis. Acht Jahre nach Einführung des Radstreifens ist er dem NRW-Verkehrsministerium und der Bezirksregierung plötzlich ein Dorn im Auge. Die Spur sei rechtswidrig, heißt es, und müsse weg. Das Gesetz lasse solche Experimente in Tempo- 30-Zonen gar nicht zu. In Deutschland gelte das Rechtsfahrgebot.

Gleich auf zwei schmalen Einbahnstraßen in Soest müssen Radler in der Mitte fahren. Und die Autos können nicht überholen. Die Zweiräder geben hier das Tempo vor. 2008 ließ die Kommune die erste dieser Spuren auf rund 400 Meter Länge anlegen. Kurz zuvor war dort ein Radfahrer schwer verletzt worden, weil die Fahrerin eines parkenden Autos plötzlich die Tür aufgerissen hatte. Eine zweite Straße mit Schutzstreifen folgte. Seitdem seien Radler hier sicher, betont die Stadt.

Die Stadt übt den Aufstand

Die Bezirksregierung hat Soest aufgefordert, die Radstreifen zügig auszuradieren. Aber Soest übt sich in Ungehorsam. Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer (CDU) sieht sich selbst „an der Spitze des Protests“. Ein Stadtsprecher beteuert, die Bürgerschaft habe nichts gegen die Radstreifen. „Es gibt nur positive Resonanz.“ Der örtliche Vorstand des Fahrrad-Clubs ADFC wittert politische Hintergedanken: „Das Land will mit dem Verbot verhindern, dass auch andere NRW-Städte solche Spuren einführen“, sagte Klaus Kabst vom ADFC.

Castrop-Rauxel würde auch gern

Tatsächlich beschäftigt sich gerade die Politik in Castrop-Rauxel mit einem Bürgerantrag auf einen Radstreifen. Vorbild ist Soest. Bad Säckingen in Baden-Württemberg hatte erst im Herbst nach Soester Beispiel einen Radler-Schutzstreifen anbringen lassen. Die Bezirksregierung Freiburg sprach nun ein Verbot aus, der Streifen wird entfernt.

Noch in dieser Woche will das NRW-Verkehrsministerium mit den Soestern in Düsseldorf verhandeln. Bis dahin will das Ministerium den Streit nicht kommentieren.