KVB wird Bauaufsicht für U-Bahnbau in Köln entzogen

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Düsseldorf/Köln. Als Konsequenz aus dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs müssen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) die Bauaufsicht für die Nord-Süd-Bahn abgeben. Eine Düsseldorfer Firma übernimmt die Aufgabe. Kritik gibt es außerdem am Einsatz von Ein-Euro-Jobbern bei der Archiv-Sortierung.

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs übernimmt nun eine externe Firma die Bauaufsicht für die Nord-Süd-Stadtbahn in Köln. Die Aufgabe gehe von den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) auf eine Düsseldorfer Ingenieurgesellschaft über, teilte die Bezirksregierung Düsseldorf am Donnerstag mit. Das Erwerbslosen-Forum Deutschland kritisierte derweil den Einsatz von Ein-Euro-Jobbern bei der Sortierung der Fundstücke aus dem Archiv.

Nach dem Unglück vom 3. März war in der Öffentlichkeit wiederholt kritisiert worden, dass die KVB als Bauherrin der geplanten U-Bahn-Strecke auch mit der hoheitlichen Aufsicht über das Bauprojekt betraut war. Die nunmehr beschlossene Übertragung dieser Aufgabe auf das Düsseldorfer Unternehmen Spiekermann findet nach Angaben der Bezirksregierung «im Einvernehmen» mit den KVB statt. Spiekermann hat bereits bei zahlreichen Projekten Planung und Überwachung wahrgenommen, unter anderem beim Neubau des Berliner Hauptbahnhofs und beim Bau der ICE-Schnellstrecke zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet.

Schramma: ein wichtiger Schritt

Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) begrüßte die Vereinbarung. Sie sei ein richtiger Schritt, um bei den Bürgern wieder Vertrauen zu schaffen, erklärte er.

Das Erwerbslosen-Forum bezeichnete den Einsatz von Ein-Euro-Jobbern an der Kölner Unglückstelle als «Gipfel der Geschmacklosigkeit». Nach derzeitigem Erkenntnisstand seien die KVB maßgeblich am Einsturz des Archivgebäudes in eine U-Bahn-Baugrube beteiligt gewesen, erklärte Martin Behrsing von der Erwerbslosen-Initiative in Bonn. «Dann haben sie auch die Kosten zu tragen, und dazu gehört, dass man nicht billigste Arbeitskräfte auf Kosten der Allgemeinheit einsetzen lässt, sondern von sich auch anbietet, dass die Menschen regulär entlohnt werden.»

Laut Kölner Kulturamt sollen bei den Archivierungsarbeiten bis zu 50 Ein-Euro-Jobber eingesetzt werden, 14 nahmen Mitte der Woche die Arbeit bereits auf. Bei dem Unglück am 3. März waren zahlreiche Archivalien verschüttet worden. Der Leiter des Archivberatungszentrums beim Landschaftsverband Rheinland, Arie Nabrings, schätzte die Dauer der Bergungsarbeiten auf noch mindestens sechs Monate. Die Arbeiten schritten derzeit gut voran, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Sie könnten aber auch noch bis zu einem Jahr dauern. «Man kommt jetzt in immer tiefere Schichten; und je tiefer man kommt, desto schwieriger wird es.» Wie teuer die anschließende Restaurierung der Dokumente werde, könne «seriös im Augenblick niemand sagen». (afp/ddp)

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