Kunden fühlen sich von Telegate-Mitarbeitern betrogen

Das Callcenter von Telegate in Essen.
Das Callcenter von Telegate in Essen.
Foto: WAZ FotoPool
Die Essener Polizei ermittelt gegen Mitarbeiter des Unternehmens Telegate. Sie sollen Kunden versprochen haben, sie und ihre Firmen bei Google ganz oben zu platzieren – was dann aber ausblieb. Ein Wittener Anwalt vertritt etliche Betroffene, Telegate wehrt sich.

Ruhrgebiet.. Bernd Podlech-Trappmann ist nicht nur Anwalt, er war auch schon sein eigener Fall. „Ich les’ Ihnen jetzt mal aus meiner Akte vor“, sagt er am Telefon und breitet dann folgende Auseinandersetzung aus: Mitarbeiter der Firma „Telegate Media AG“ aus Essen hätten ihn 2011 überzeugt, sie könnten ihn und vor allem seine Kanzlei bei Google auf die erste Seite bringen, quasi ins Herz der Aufmerksamkeit; dafür habe er eine vierstellige Summe bezahlt, aber dann „tauchten da immer nur andere Anwälte auf“. Um eine lange Geschichte abzukürzen: Viel, viel später endete der Streit mit einem Vergleich vor Gericht.

Vorwurf: Teilweise als Mitarbeiter von Google eingeführt

Doch auf eine andere Art und Weise vervielfältigte er sich geradezu: Denn heute vertritt der Wittener „70, 80 Mandanten aus ganz Deutschland“, die denselben Vorwurf erheben: Ihnen sei die erste Seite bei Google versprochen worden, „aber ich bin auf der Sieben“, wie eine Frau im Internet schreibt – und niemand blättert um auf die Sieben. Teilweise hätten sich die Anrufer auch als Google-Mitarbeiter eingeführt. Und: Man komme aus den Verträgen kaum raus. Anscheinend handelt es sich bei den Klägern oft um kleine Betriebe, die via Google auf Kunden hofften.

„Telegate Media“ wehrt sich gegen die Vorwürfe im Präsens: „Eine Seite 1 der angezeigten Suchergebnisse kann und wird von niemandem versprochen“, hieß es gegenüber dem ,Stern’, und gegenüber der Funke-Mediengruppe: „Die uns jetzt bekannten Fälle liegen im Promillebereich... Wenn ein Fehlverhalten bekannt wird, unternehmen wir entsprechende Schritte.“ Auf der Internet-Seite der Firma heißt es zusätzlich, man habe beschlossen, dass Telefonverkäufer eine Passage vorlesen müssten, dass es „keine Garantie für eine konkrete Platzierung in Google“ geben könne.

Polizei: Zahlreiche Verfahren laufen

Die Essener Polizei ermittelt dennoch weiter wegen Betrugsverdachts gegen Mitarbeiter von Telegate Media. Man habe „zahlreiche Verfahren laufen“ und „auch Strafanzeigen von außerhalb“, so ein Sprecher.

Das Mittel, das Betriebe auf die erste Google-Seite bringen kann, heißt „Google AdWords“ – gleichsam der Anzeigenbereich der Suchmaschine, er steht über oder neben der eigentlichen Trefferliste. Hier können sich Firmen unter Schlagwörtern registrieren lassen und zahlen für jeden Klick auf ihre Anzeige. Die Preise, die für die Platzierung mitentscheidend sind, richten sich dabei nach der Konkurrenzlage: Das einzige Gasthaus von, sagen wir, Hintersorpe würde für eine gute Platzierung weit weniger zahlen müssen als beispielsweise ein Hamburger Unternehmen, das irgendwas mit Medien macht.

Und so findet sich auf Verbraucherseiten im Internet in Sachen Telegate immer und immer dieselbe Geschichte bis in die jüngste Zeit: „Der Anrufer gab sich als Google-Mitarbeiter aus und hat mir einen Eintrag auf der ersten Seite . . .“ (Wibke H.), „Ich Depp bin auch drauf reingefallen . . .“ (Franky).

Ein Mann will nach oben

Doch was Zeugenaussagen angeht, ist das Internet ja erstaunlich geduldig; so präsentiert auch Telegate Media Kundenstimmen: „Auch bei der Google-Werbeanzeige fühle ich mich gut beraten“ (Martina K.). Ruft man eine dieser Kundenstimmen an, trifft man tatsächlich einen zufriedenen Menschen: „Wir sind fast immer vorn zu finden . . . Wir haben auch mehr Buchungen, ob das daran liegt, weiß ich nicht“, sagt Marco Worm, der Besitzer des Hotels „Kühnauer Hof“ in Dessau.

Eine hoch absurde Folge hat der Streit jedenfalls: Podlech-Trappmann, der mithilfe von Telegate bei Google vergebens ganz nach oben wollte, steht jetzt genau da. Ganz oben. Und das nicht nur im Anzeigenbereich, sondern auf der normalen Trefferliste. Man muss nur „Telegate Anwalt“ googlen.

 
 

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