Klima-Konferenz kommt keinen Schritt weiter

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Bonn. Umweltschützer sind empört über die Ergebnisse der Bonner Klima-Konferenz. Um jede einzelne Tonne CO2 sollen die Industrienationen gefeilscht haben. Von den Reduktionszielen seien sie meilenweit entfernt, klagt ein Greenpeace-Sprecher. Dabei wird die Zeit knapp.

Mit Enttäuschung und Protest haben Umweltschützer auf die Ergebnisse der Bonner Klimakonferenz reagiert. Die führenden Industrienationen hätten «um jede einzelne Tonne CO2 geschachert» und seien noch immer meilenweit von den Reduktionszielen entfernt, die nach Ansicht von Klimawissenschaftlern nötig seien, sagte Greenpeace-Sprecher Karsten Smid der Nachrichtenagentur AP am Freitag unmittelbar vor Ende der Konferenz.

In Bonn hatten seit dem 1. Juni hatten rund 4.600 Vertreter von Regierungen, Umweltschutzorganisationen, Wirtschaft und Wissenschaft aus mehr als 180 Staaten über einen Textentwurf für das angestrebte Protokoll von Kopenhagen diskutiert. Die Verhandlungen in der dänischen Hauptstadt beginnen in 177 Tagen. Bis dahin sollen noch drei weitere Verhandlungsrunden stattfinden, bei denen die Eckpunkte für das Abkommen festgelegt werden sollen, das ab 2013 das Protokoll von Kyoto ersetzen soll.

"Keinen Schritt weiter gekommen"

In den zwölf Tagen von Bonn hätten sich die Delegationen im Kreis gedreht und seien «keinen Schritt weiter gekommen», kritisierte Greenpeace-Sprecher Smid. Aus den bisher vorliegenden Absichtserklärungen ergäben sich lediglich Treibhausgas-Einsparungen von 8 bis 15 Prozent gegenüber 1990. «Klimawissenschaftler halten 40 Prozent für nötig - wir sind also noch um ein Mehrfaches von diesem Ziel entfernt», sagte er.

Auch der Chef des UN-Klimarats, Yvo de Boer, forderte die Industrieländer zu ehrgeizigeren Zielen auf: Unter günstigsten Annahmen würden die derzeitigen Vorschläge der Industriestaaten auf eine Verringerung der Emissionen um 24 Prozent hinauslaufen. Allerdings seien in dieser optimistischen Zahl die USA und Russland noch nicht enthalten, räumte er ein. Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, sei es nötig, 25 bis 40 Prozent einzusparen.

«Zwischen jetzt und Kopenhagen müssen die Ansprüche nach oben geschraubt werden», verlangte de Boer. Gleichzeitig lobte er die Fortschritte, die die Vorbereitungskonferenz gebracht habe: «Meines Erachtens ist ein ambitioniertes und effektives Ergebnis für Kopenhagen in Sicht.» Die Zeit sei knapp, aber noch ausreichend.

Dagegen appellierte Greenpeace an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die übrigen Staats- und Regierungschefs der G-8, das Klima-Thema schon beim Gipfel in vier Wochen selbst in die Hand zu nehmen: «Die Entscheidung über ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll fällt nicht erst in Kopenhagen», sagte Sprecher Smid. «Der G-8-Gipfel ist vielleicht schon die letzte Chance, noch einen Erfolg zu gewährleisten.»

"Unglaubwürdig und inakzeptabel"

Neben den USA und Kanada kritisierten die Umweltschützer vor allem Japan, das am Mittwoch in Tokio angekündigt hatte, seine Emissionen bis 2020 um acht Prozent gegenüber 1990 reduzieren zu wollen. Der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes NABU, Leif Miller, nannte die japanische Klimapolitik «unglaubwürdig und inakzeptabel»: «Sie torpediert die Bemühungen um ein zukunftsweisendes Weltklimaabkommen», sagte er. Die EU hat sich einseitig verpflichtet, 20 Prozent unter den Wert von 1990 zu kommen. Im Rahmen des geplanten internationalen Abkommens will die EU ein Minus von 30 Prozent zusagen. Deutschland will in dem Fall minus 40 Prozent schaffen.

Die Hilfsorganisation Oxfam kritisierte, die bisher angebotenen Klimaschutzziele liefen «auf einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um etwa drei Grad Celsius hinaus», wie Klimaschutzreferenz Jan Kowalzig sagte. Dabei sei bekannt, dass der Klimawandel spätestens ab plus zwei Grad außer Kontrolle geraten dürfte.

Der Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, erklärte, die in Bonn ins Spiel gebrachten CO2-Reduktionsziele seien auch ein Affront gegenüber den Entwicklungsländern: Diese hätten den Klimawandel nicht verursacht, seien aber «durch zunehmende Dürren, Überschwemmungen und Ernteeinbrüche die Hauptleidtragenden». (ap)

 
 

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