Jeder vierte Schießplatz ist mit Schwermetallen verseucht

Foto: Symbolbild / dpa
Das NRW-Umweltministerium entdeckte auf Schießplätzen gefährlich hohe Werte von Schwermetallen. Den Besitzern der Anlagen drohen nun enorme Kosten.

Hagen/Meschede.. Jeder vierte Schießplatz in NRW ist offenbar mit Schwermetallen verseucht. Das geht aus einer noch nicht veröffentlichten Studie hervor. Den Besitzern der betroffenen Anlagen drohen nun enorme Kosten.

Insgesamt 52 „jagdlich genutzte“ Schießanlagen haben das Umweltministerium unter Moderation des AAV, Beteiligung des Landesjagdverbandes (LJV) und fachlicher Begleitung des LANUV untersucht. Das Ergebnis dürfte viele Hegeringe schockieren. Nur fünf Anlagen gelten nach der Untersuchung als Schadstoff-frei.

Schwermetalle belasten die Böden

Schwermetalle, also Bleischrot und schadstoffhaltige Wurfscheibenreste, belasten Boden, Pflanzen und Grundwasser. Gutachter entdeckten nach ersten Begehungen auf den Anlagen gefährlich erhöhte Werte von Blei, Antimon, Arsen und bestimmten Kohlenwasserstoffen.

Vor allem die hohe Bleikonzentration ist dem Bericht zufolge für Menschen gefährlich. Konkrete Zahlen aus der Studie wollte die Behörde allerdings noch nicht nennen.

Giftiges Schwermetall kann sich in der Nahrungskette anreichern, das Nervensystem schädigen und zu Nierenschäden führen. Blei belastet Böden, landwirtschaftliche Flächen sowie Gewässer. Viele Schießplatz-Betreiber müssen sich auf eine Gelände-Sanierung einrichten.

Sanierung in Ludwigsburg kostete 2,1 Millionen Euro

Für die Kosten der nun erforderlichen Gelände-Sanierung müssten laut Kreisen und Städten die Grundstückseigentümer aufkommen. Wie teuer das wird, könne man nicht sagen, heißt es vom Landesjagdverband. Dass an einigen Stellen der Boden ausgetauscht werden muss, scheint aber bereits festzustehen. Zusätzlicher Kostenfaktor: Die weiteren Untersuchungen gehen jetzt ebenfalls zu Lasten der Betreiber der Schießplätze.

Zum Vergleich: Eine Schießplatz-Sanierung im baden-württembergischen Ludwigsburg kostete vor zwei Jahren stolze 2,1 Millionen Euro. Der Kreisjägerverein sowie ein Schützenverein meldeten dort Insolvenz an.

Kommunen fordern neue Schieß-Standards

Wegen der massiven Belastung durch Schwermetalle auf Schießplätzen fordern einige Kommunen in Südwestfalen jetzt neue Schieß-Standards. „Das Schießen mit bleihaltigem Schrot auf Wurftauben muss auf nahezu allen Ständen reguliert werden“, sagte der Sprecher des Hochsauerlandkreises, Martin Reuther. So will auch der Ennepe-Ruhr-Kreis vorgehen.

Der Landesjagdverband lehnt diese Forderung strikt ab. Zu Bleischrot gebe es keine Alternative. „So genannte Stahlschrote aus Eisen prallen von harten Oberflächen mit hoher Energie zurück und bergen ein erhebliches Sicherheitsrisiko“, sagte Verbandssprecher Andreas Schneider. Wurfscheiben seien dagegen schon seit 1995 in der Regel schadstofffrei. Die Schadstoffbelastung betreffe in diesem Fall vor allem ältere Anlagen.

Landesverband der Jäger fordert ein Gesamtkonzept

Aber auch dort soll es nach Vorstellungen des Landesjagdverbandes mit dem Schießbetrieb weitergehen. „Die Jäger benötigen die Übungsstände, um ihrem gesetzlichen Auftrag zur Hege und Pflege nachzukommen“, erklärte Andreas Schneider.

Der Kreis Soest will im Juli Gespräche mit den Betreibern über notwendige Maßnahmen führen. Andere Kommunen möchten sich zum weiteren Vorgehen nicht äußern. So heißt es etwa beim Kreis Siegen-Wittgenstein, dass man in „guten Gesprächen“ mit den Jägern sei. Deren Landesverband fordert nun ein Gesamtkonzept, das den Betrieb der Schießanlage sicherstellen soll.

 
 

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