IG Metall baut für 30 Millionen Euro

Arne Poll
Neubau neben Altbau. Foto: Hans Blossey
Neubau neben Altbau. Foto: Hans Blossey
Foto: Hans Blossey
Die Gewerkschaft errichtet ein neues Bildungszentrum in Sprockhövel. Sie hatte schon eins. Das wird aus verschiedenen Gründen abgerissen.

Sprockhövel. Die Treppe hat noch kein Geländer. Wer ins Dachgeschoss des Neubaus will, muss Helm tragen. Handwerker hämmern und streichen. Überall wohin man schaut, wird aufgebaut. Stolz steht Fritz Janitz dann oben an den Fenstern. Freier Blick auf die Elfringhauser Schweiz, auf grüne Bäume und Bauernhöfe. Natur pur! Die Gäste des neuen Bildungszentrums der IG Metall werden es mal richtig gut haben.

30 Millionen Euro investiert die Gewerkschaft in das neue Zentrum. Janitz, der 57-jährige Leiter, freut sich, dass die Kosten „im Rahmen“ geblieben sind. Eröffnung soll am 9. September sein. In 126 Hotelzimmern werden dann immer für ein paar Tage Gewerkschaftler einziehen. In den Tagungsräumen sollen sie lernen, wie man Betriebsrat ist.

Wer aus dem Fenster schaut, blickt auch auf einen grauen Betonkoloss. Es ist das alte Bildungszentrum, 40 Jahre alt. Darin gibt’s ein Schwimmbad, Kegelbahnen, 216 Zimmer und einen Veranstaltungssaal mit Dolmetscher-Kabinen. Mehr als 20 000 Volkswagen fänden in dem Gebäude Platz, rechneten Mathematiker vor. Gewerkschaftsbosse (in der Nachbarschaft spricht man gerne von Gewerkschaftsbonzen) trafen sich hier mit Spitzenfunktionären zu nächtelangen Tarifverhandlungen.

Auf der anderen Seite des Gebäudes steht eine Siedlung mit Häusern für Dozenten und Mitarbeiter, mittlerweile verkauft. Zum Mammutkomplex, der lange Zeit als größtes gewerkschaftliches Bildungszentrum der Welt galt, gehört auch ein Privatwald.

Hoffnung auf 80 Prozent Einsparung bei Energiekosten

Die IG Metall eigene Immobiliengesellschaft Igemet will den Altbau abreißen lassen, sobald der Neubau steht. „Wir hatten Energiekosten von einer Million Euro pro Jahr“, erklärt Janitz. Der Neubau soll 80 Prozent einsparen. 46 Erdwärmebohrungen auf einem Geothermiefeld sollen Gratiswärme liefern. Der Neubau hat nur einen Bruchteil der 3,6 Kilometer langen maroden Fensterfläche des Altbaus.

Heute dürfte man hier, mitten im Grünen, eigentlich nicht mehr bauen. Die IG Metall darf, weil sie das Grundstück tauscht und das alte renaturiert. „Wir hatten aus wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Gründen ein sehr großes Interesse an der Erhaltung des Standortes“, sagte der Sprockhöveler Baudezernent Bernd Woldt bei der Vorstellung der Pläne.

„Wir versuchen, so viel wie möglich vom Mobiliar mitzunehmen“, sagt Janitz. Er kennt die Vorwürfe, dass die Gewerkschaft hier Mitgliederbeiträge verplempert. „Wir können es uns nicht erlauben, dass die Abrissbirne hier alles kurz und klein schlägt.“

8,55 Euro Mindestlohn auf dem Bau

Auf dem Bau achte die Gewerkschaft auf die Einhaltung der Tarifverträge. „8,55 Euro Mindestlohn“, sagt der Technische Leiter Gerhard Wagenknecht (51). Die Arbeiter kommen zum Teil aus Osteuropa. „Es geht um die Arbeitsbedingungen. Da darf man nicht die Nationalfahne hochhalten.“

Igemet-Boss Franz-Julius Partes nennt einen weiteren Grund für den Neubau: „Die Bildungshintergründe haben sich verändert.“ Da sei so ein großer Komplex nicht mehr zeitgemäß. „Wir müssen mit kleineren Lerneinheiten flexibler sein“, sagt Fritz Janitz. Gewerkschaftliche Bildung, die vom Arbeitgeber bezahlt werden muss, sei ein hart umkämpfter Markt mit privater Konkurrenz.

Auch bei der Eröffnung will (und muss) man eine Nummer kleiner setzen. 1971 kam Bundespräsident Gustav Heinemann, am 9. September 2011 Ministerpräsidentin Hannelore Kraft – angefragt.