Historischer Jahrmarkt in der Bochumer Jahrhunderthalle

Schausteller Peter Buchholz sieht auf seine Raupe aus den 20er-Jahren
Schausteller Peter Buchholz sieht auf seine Raupe aus den 20er-Jahren
Foto: Ingo Otto/Funke Foto Services
In der Bochumer Jahrhunderthalle dreht sich an drei Wochenenden der „Historische Jahrmarkt“. Er soll Europas größter in einer Halle sein.

Bochum.. Es könnte 1910 sein, wie Albert Ritter heute wieder aussieht. Der oberste deutsche Schausteller hat sich eine Fliege umgebunden, hat die Weste zugeknöpft, die Uhrenkette angesteckt und den Strohhut aufgesetzt. Jetzt steht er an einer alten Kirmesorgel, schaut sich unter all den Leuten zufrieden um und würde daher eine Zigarre rauchen. 1910. Aber das geht natürlich nicht in einer Halle des Jahres 2015.

„Herrreinspaziert!“ Hier stimmt es mal: Die Kirmes ist überdacht, beheizt und in Bochums Jahrhunderthalle „Europas größter historischer Jahrmarkt in einer Halle“ – einer dieser typischen, von Einschränkungen umstellten Ruhrgebiets-Superlative. Dahinter aber verbirgt sich ein Spaß mit einem dutzend antiker Fahrgeschäfte, Helfern mit Hosenträgern und Schiebermützen und stilechten Teilnehmern von Flohcircus bis Vogelstimmenimitator.

Die „ü-50-taugliche“ Kirmes

Tempo und Schreck stehen nicht so im Mittelpunkt; es dürfe, sagt Ritter, „angesichts der demografischen Entwicklung nicht nur die Halbstarkenkirmes geben, sondern auch die Ü-50-Taugliche.“ 2008 erstmals ausprobiert, geht der Jahrmarkt inzwischen über drei Wochenenden.

Unter dem in Licht geschriebenen Namenszug „Der Selbstfahrer“ ist das jüngste Fahrgeschäft ein Holzpfosten-Autoscooter „mit 18 Chaisen“. Von 1950, also praktisch aus der Gegenwart, verglichen wenigstens mit dem Holzpferdekarrussell von 1874 oder dem Riesenrad von 1902 – zwölf Meter ist es hoch, das war damals eine Sensation.

Schaustellerbund erwartet 30 000 Besucher

„30 000 Besucher“ insgesamt schätzt der Schaustellerbund: Sie mögen das Nostalgische, „es muss nicht immer Bling Bling sein“, sagt Sebastian Runge aus Castrop-Rauxel. Andere besuchen ihre Jugend: Stephanie Witte klettert in eine Raupe, „weil man das früher gemacht hat, er mit 16 und ich mit 13. Er war der schöne Junge aus Wagen Nummer 7.“ Die Raupe, steht zu lesen, ist von 1926 und hatte bereits damals ein verschließbares Stoffbahndach als Sichtschutz; bis in die 50er-Jahre hinein gab es Auflagen zur maximalen Verschlusszeit, um unsittlichen Umtrieben unter dem Stoff einen entschlossenen Riegel vorzuschieben.

Und so sieht auch die „Fahrt ins Paradies“ von 1939 eher harmlos aus: auch eine Art frühe Raupe mit Aufs und Abs, von außen betrachtet ein wenig klapprig und nicht sehr schnell. Aber als Silvia Runge nach einer Runde aussteigt, schwankt sie doch beträchtlich. Mission erfüllt. Es muss nicht immer Power Tower Mega Coaster sein.

12,50 Euro für beliebig viele Fahrten

Noch am 21./22. Februar und 28. Februar/1. März 2015. Jeweils 11 bis 20 Uhr. Eintritt bis 14 Jahre: 9.50 Euro. Ältere 12.50 Euro. Damit sind beliebig viele Fahrten auf den Fahrgeschäften beglichen.

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