Grüne Hauptstadt Ruhrgebiet – Pustekuchen?

Einer „Grünen Hauptstadt“ heute schon würdig: der Phoenixsee in Dortmund-Hörde.
Einer „Grünen Hauptstadt“ heute schon würdig: der Phoenixsee in Dortmund-Hörde.
Foto: WR/Franz Luthe
Das Ruhrgebiet will den europäischen Titel „Green Capital“. Aber die EU lässt eine Bewerbung derzeit nicht zu, und die Städte sind sich noch nicht einig. Das Revier hat sich verrannt.

Essen. Das Ruhrgebiet wird vorerst nicht in den Wettbewerb um den Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2015“ einsteigen. Schon lange stricken der Regionalverband Ruhr (RVR) und die Dezernenten mehrerer Städte an der Bewerbung. Sie sollte in diesen Wochen abgegeben werden. Der von der EU-Kommission vergebene Titel soll der Industrielandschaft „grünes“ Prestige bringen und an das Gemeinschaftsgefühl der Kulturhauptstadt anknüpfen. Daraus wird erstmal nichts. Hauptproblem: Das Ruhrgebiet darf sich aus bisheriger Sicht der EU gar nicht in dem Wettbewerb präsentieren. Eine Bewerbung der „Metropole Ruhr“ verstößt zumindest im Moment gegen die Teilnahmebedingungen. Mitmachen dürfen nämlich nur Städte über 200 000 Einwohner, keine Städtebündnisse.

Mindestens ein Jahr verloren

Die Rote Karte hatte Brüssel längst gezückt. Dennoch hieß es stets, die „Metropole Ruhr“ werde einen Weg finden. Dezernenten aus Essen und Bochum reisten zum Chef der EU-Umweltkommission, Karl-Friedrich Falkenberg. Erreicht haben sie nichts. Konsequenz: Das Ruhrgebiet wird sich frühestens für 2016 um den Titel bewerben – ein Jahr später als geplant. Die Oberbürgermeister der Region zogen jetzt diese Notbremse.

Die Teilnahmebedingungen sind nicht das einzige Problem. Die „Grüne Hauptstadt“ ist noch nicht in allen Räten angekommen. Einige Kommunen und Kreise haben sich noch nicht ausreichend mit dem Thema befasst. Bis Ende Juni ist es offenbar unmöglich, die notwendigen Beschlüsse für die Bewerbung in allen Räten und Kreistagen zu erwirken. „Es hat nicht an Essen gelegen, aber einige Kommunen waren einfach noch nicht soweit“, erklärte Essens Umweltdezernentin Simone Raskob. Nach Informationen der WAZ Mediengruppe gibt es Verzögerungen, teilweise auch Vorbehalte gegen das Projekt in Mülheim, Wesel und im Kreis Unna.

Laut Raskob wollen sich der RVR und die Städte drei Optionen offen halten: Eine Gemeinschaftsbewerbung, die Gründung eines „Zweckverbandes Grüne Hauptstadt“ sowie die „Bannerträger-Bewerbung“ einer Stadt, an die sich andere Kommunen anlehnen. Heute beschäftigt sich das Ruhrparlament in Essen damit.

RVB-Chefin: "Wir wollen uns als Region bewerben"

RVR-Chefin Karola Geiß-Netthöfel legte sich fest: „Wir wollen uns als Region bewerben.“ Sie glaubt, dass die Bannerträgerschaft einer Stadt womöglich zu Unzufriedenheit in anderen Städten führen würde. Ein Zweckverband würde indes eine Rolle spielen, die eigentlich dem RVR zustehe. Geiß-Netthöfel wertet das Verschieben der Bewerbung um ein Jahr als „Bekenntnis der Oberbürgermeister zum RVR“.

Die CDU im RVR-Parlament schäumt. „Faktisch ist das bisher eine Bewerbung der Umweltdezernenten von Essen, Bochum und Dortmund. Sie haben Briefe nach Brüssel geschrieben. Der RVR musste sich mit einer Nebenrolle abfinden“, wettert Fraktionschef Roland Mitschke.

 
 

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