Größte Razzia gegen Rechts in NRW

Rund 20 Gebäude in NRW wurden am Mittwochmorgen durchsucht, darunter das Fraktionsbüro von Pro NRW in Radevormwald. Foto: dapd
Rund 20 Gebäude in NRW wurden am Mittwochmorgen durchsucht, darunter das Fraktionsbüro von Pro NRW in Radevormwald. Foto: dapd
Foto: dapd
Eine Gruppe jugendlicher Neonazis verbreitete Angst und Schrecken in Radevormwald. Nun griff die Polizei zu. Es war die größte Razzia gegen Rechts in NRW – und sie zeigte, wieviel Freiraum die Nazis bislang hatten.

Köln. Offenbar fühlten sie sich stark und sicher, so offen agierten die Neonazis im Städtchen Radevormwald bei Wuppertal. Schlugen Migranten und Linke zusammen, schüchterten Bürger ein, die gegen Rechtsextremismus Stellung bezogen. Das sind die Vorwürfe. Anzeigen zu rund 30 Straftaten liegen der Staatsanwaltschaft vor – nun zusammengefasst zu einem Verfahren wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“.

Eine Großrazzia am Mittwoch sollte Beweise bringen. Gegen 18 mutmaßliche Mitglieder des „Freundeskreis Rade“ ermittelt die Polizei. Rund 100 Beamte durchsuchten auch Wohnungen in Essen, Düsseldorf und Wuppertal, dazu das Büro der Partei „Pro NRW“ in Radevormwald.

Demo vor der Moschee

Ein Beschuldigter ist Ratsherr für die rechtsextreme Partei, sie soll die Nazis vor Ort finanziell und organisatorisch unterstützt haben. Als „Nationale Sozialisten“ haben die Jugendlichen sich gar selbst im Internet bezeichnet. Ein Politikum, gerade so kurz vor der Wahl. Pro NRW startet seinen Wahlkampf übrigens am Samstag in Essen-Kray.

Jung sind die Beschuldigten, drei wurden festgenommen, 20 Jahre der älteste, 18 die beiden anderen. Gewehre und Pistolen fanden die Polizisten, Schlagringe und Reizgas, Messer, sogar Schwerter. Der Vergleich mit Zwickau liegt nahe, doch von einer terroristischen Bedrohung will der Kölner Staatsanwalt Ulf Willuhn nicht sprechen. Die jugendlichen Nazis agierten lokal, angeleitet von den besser organisierten „Kameraden“ in Wuppertal. Aber in ihrem Umkreis verbreiteten sie doch mehr als Angst und Schrecken.

Ein Kiosk-Besitzer ausländischer Herkunft musste das als erster spüren. Ende Februar 2011 schlugen zwei Personen laut Staatsanwaltschaft die Scheiben des Büdchens ein. Der Kioskbetreiber verfolgte die Täter – und lief in eine Falle. Zehn Vermummte mit Schlagstöcken prügelten ihn krankenhausreif.

Schulleiter öffentlich bedroht

Ein Hauptschulleiter, der eine Lehrerkonferenz gegen Rechts organisiert hatte, musste am nächsten Morgen sein Foto auf einem Fahndungsposter wiederfinden: „Wanted“ – plakatiert rund um die eigene Schule. Die Drohung war sogar unterzeichnet – „Freundeskreis Rade“.

„Die Polizei hat bis Mitte letzten Jahres die Ereignisse etwas heruntergespielt“, sagt Hendrik Puls von der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtextremismus in Köln. Die Staatsanwaltschaft habe dann Druck gemacht. In Radevormwald konnten die Nazis sich einen Freiraum schaffen. Vielleicht machte sie das so attraktiv, schätzt Puls, das gar ein Essener sich der Gruppe im Bergischen Land anschloss.

 
 

EURE FAVORITEN