Flüchtling wird für 780 Euro nach Berlin und zurück gefahren

Hemer..  Ahmad Akari will nach ­Hause in den Libanon, zurück zu seiner Frau, zu den drei Kindern. 400 Euro soll das Flugticket kosten, sagt der Flüchtling. Für 780 Euro hat die Bezirksregierung Arnsberg ­Akari aber erst einmal von Hemer nach Berlin chauffieren lassen – und wieder zurück.

Drei Wochen später hängt Akari noch immer fest. Ende des Monats werde seine Familie in Tripoli ­obdachlos. Zugleich geht ihm das Geld aus. Mitte Dezember war der Fischhändler mit Schleppern nach Deutschland gekommen. 3700 Euro kostete ihn die Reise, die Hoffnung auf Arbeit erfüllte sich nicht. „Lieber wieder zurück, als hier zu bleiben“, sagt er. Kein Einzelfall: 7815 Menschen kehrten 2015 freiwillig aus NRW in ihre Heimat zurück.

Die Bezirksregierung unterstützte Akari, indem sie ihn von den Maltesern im Kleinbus zur libanesischen Botschaft in Berlin chauffieren ließ und gleich wieder zurück. Ergebnis: ein Notizzettel mit den Anforderungen – vier Passfotos, Ticketnummer, dann wieder persönlich vorbei­kommen. Erst dann gibt’s den Pass.

Bei der Flüchtlingsberatung des Deutschen Roten Kreuzes in Hamm erklärt man den Fall so: Die Flug­tickets bezahlt die Internationale Organisation für Migration (IOM). Bisher habe der Botschaft eine ­Vorreservierung genügt, plötzlich verlange sie eine Buchung. Die IOM will aber nicht für die Stornierungskosten aufkommen, falls der Flug doch nicht angetreten wird. Wer ­diesen Betrag übernimmt, das bedürfe nun der Klärung, heißt es aus der Bezirksregierung. Den Betrag von 780 Euro für die vergebliche Fahrt nach Berlin will deren Sprecher Christoph Söbbeler nicht bestätigen. Bahn und Bus, sagt er, kämen oft nicht günstiger, weil womöglich Übernachtungskosten anfielen.

Ahmad Akari kommt sein Notizzettel dennoch deutlich zu teuer vor.

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