Feilschen im Namen des Herrn

Der letzte hängt das Kreuz ab: Pater Hermann Döhring.
Der letzte hängt das Kreuz ab: Pater Hermann Döhring.
Anfang des Jahres schloss das Redemptoristenkloster in Bochum. Jetzt wurde sein geistliches und weltliches Inventar via Flohmarkt verkauft.

Bochum.. Es ist ein Kreuz mit Jesus. Genau besehen, sind es sogar zwei, unterschiedlich groß und aufwendig, und so muss Reinhard Daniel jetzt wieder feilschen im Namen des Herrn. „Fünf Euro und drei Euro, ist es Ihnen das wert?“, fragt er die Besucherin. Sie nickt. Jesus für acht Euro kann man kaum ablehnen. Vor all den Leuten auch!

Die ganze Warteschlange muss am Ausgang des Redemptoristenklosters an dem 66-jährigen Daniel vorbei, und so wird am Ende des Tages die Kassette auf dem Tischchen vor ihm ansehnlich gefüllt sein. Keine schlechte Idee der Mönche also, die finanzielle Schaltstelle des Wochenendes mit dem früheren Direktor einer Leasing-Gesellschaft zu besetzen. Kirchlich engagiert und Bruder eines Superiors ist er zudem. „Die Kiste Bücher, was ist die Ihnen denn wert?“

Dies ist der Räumungsverkauf der Redemptoristen: Die letzten sechs verlassen Bochum, weil keine jüngeren Brüder mehr nachwuchsen. Schlussverkauf im „Kloster der Mutter von der immerwährenden Hilfe“ in der Innenstadt. Kein barockes Wunder ist das, kein Melk oder Heiligenkreuz, sondern ein großer, schlichter Nachkriegsbau: vier Stockwerke, 80 Kammern links und rechts, Linoleumboden. Mancher Papst hängt an der Wand, den man nicht mehr auf Anhieb erkennt.

Viel zu stöbern. Schwupps – weg ist er.

Es ist ein ziemliches Geschiebe in zugestellten Fluren, großes Gedränge mit religiösem Gerät und manchmal recht unübersichtlich: „Ich mein’, die ist raus, die Trompete!“ Treppauf und treppab geht es, in die Großküche, die Bibliothek, zurück in die Kirche – wann macht schon ein Kloster Flohmarkt? „Eine Schande“, sagen manche, Hildegard Kückelmann argumentiert dann so: Viele Dinge blieben ja im Orden, andere würden karitativ vergeben, „aber für manches wäre die Alternative der Sperrmüll“. Und der ist natürlich keine. „Wir haben das schon mal in Hennef gemacht, das war ein großer Erfolg“, sagt Kückelmann; sie ist die Ökonomin des Jugendklosters Kirchhellen, das den Ausverkauf hier abwickelt.

So viel geistliches, so viel weltliches Inventar: Suppenkellen, Rosenkränze, Altartücher, Kleiderbügel. Kerzenständer, Puddingschüsseln, Weihnachtskugeln. Jesusbilder, Beistelltischchen, Betten, Kreuze. Bücher natürlich, -zigtausende: „Handbuch der Sozialerziehung“, „Statut der Missionswerke“, „Papst Paul VI. im Heiligen Land“, „Richard Nixon: Memoiren“ – und ein „Alles hat seine Zeit“ ist natürlich auch darunter.

Manches Stück indes kann man nicht einfach wegtragen: Für die Glocke gibt es eine Anfrage, und Kirchenbänke und Kreuzwegfiguren treten vielleicht bald eine Weltreise an. Von Bochum nach Sambia in ein Kloster, das nichts hat – Katholiken gibt es schließlich immer mehr. „Heute ist ein schwerer Tag“, sagt Pater Hermann Döring, der Jahrzehnte hier gelebt hat: „Aber schlimmer wäre es, wenn das alles weggeworfen werden müsste.“

Am ersten Abend haben sie 4000 Euro beisammen, die in soziale Arbeit fließen sollen. Am Sonntag kommen wieder so viele Leute, und wieder ist Reinhard Daniel da. Sein Verhandlungsgeschick steht in schönster Blüte, gerade unterhält er sich mit einem Mann, der nach dem Lüster unter der Decke fragt. „Manche sagen, für einen Zwanziger bring ich den zur Kippe“, sagt Daniel: „Es gibt aber auch Leute, die geben 3000 dafür.“

Was ist er Ihnen denn wert?

 
 

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