Ex-Freund der 23-jährigen Liesa aus Werl festgenommen

Rolf Hansmann
Die 23-jährige Liesa aus Werl ist noch immer vermisst. Die Hoffnung, sie lebend zu finden, ist allerdings weiter gesunken. Am Donnerstag wurde ihr Ex-Freund festgenommen. Es besteht der dringende Verdacht, dass er Liesa umgebracht hat.

Werl. Was mit der 23-jährigen Liesa passiert ist, ist noch nicht bekannt. Sie wird immer noch vermisst. Aber es gibt einen mutmaßlichen Täter, den die Polizei am Donnerstag im Fall der verschwundenen Liesa verhaftet hat. Es ist ihr ehemaliger Freund. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft steht der 24-jährige unter dringendem Mordverdacht, auch wenn bislang keine Leiche gefunden wurde.

Am späten Abend des 16. April verlässt Liesa ihr Elternhaus in Westönnen bei Werl. Nur kurz will sie weg, sagt sie. Eine Aussprache mit dem Ex, nur ein paar Hundert Meter vom Haus entfernt. Seitdem ist die 23-Jährige verschwunden. Am nächsten Morgen sucht die besorgte Mutter nach ihrer Tochter. Was sie findet, ist Liesas Wagen, ein gelber Twingo, der an einem Motocross-Gelände nahe einer Auffahrt zur Autobahn 44 parkt. Mit offenen Türen, leerem Tank und dem Schlüssel noch im Zündschloss.

Per Anhalter ins Ruhrgebiet

Eine groß angelegte Suche beginnt. Mehr als 200 Polizisten durchkämmen die Gegend. Unterstützt von Hunden, Hubschraubern und rund 150 Anwohnern. Doch die junge Frau bleibt verschwunden.

Schnell gerät der Ex-Freund, ein 24-jähriger Schwarzafrikaner, unter Verdacht und wird festgenommen, nach ersten Verhören aber wieder freigelassen. Ja, sagt er, er habe sich am fraglichen Abend mit Liesa getroffen. Man sei zusammen im Twingo gefahren, habe sich unterhalten. Dann aber hätten sich die Wege getrennt. Vom Autobahnkreuz Werl aus sei er per Anhalter ins Ruhrgebiet gefahren – in einem Kombi. „Daran glauben wir mittlerweile nicht mehr“, sagt Staatsanwältin Sandra Müller-Steinhauer.

Dorf sammelt für Belohnung

In Westönnen wollten sie lange daran glauben. Weil es bedeutet hätte, dass Liesa noch lebt. Nicht nur die Familie hat gehofft, es war der ganze Ort. „Es ist unglaublich, wie viele uns beistehen“, hat Liesas Vater Peter immer wieder gesagt.

Beispiel Rot-Weiß Westönnen: Hier kickt der 56-Jährige bei den Alten Herren, und hier hat sein Vorstandskollege Meinolf Westerhoff eine beispiellose Aktion gestartet. Per E-Mail baten er und andere Altherren zunächst weitere Vereinsmitglieder um eine Spende für eine Belohnung für Hinweise auf den Verbleib der 23-jährigen Auszubildenden, die in Dortmund arbeitet und im Ruhrgebiet viele Freunde und Bekannte hat.

Kaum noch Hoffnung

„Es zog große Kreise“, erzählt dLiesas Vater. Die Mails erreichten im Schneeballsystem immer mehr Menschen, eine Lawine kam ins Rollen. „Spender von nah und fern, Bekannte und Fremde, Vereine und Firmen.“ Zum Abschluss der Aktion am Sonntag zählte der Initiator verbindliche Zusagen in Höhe von 31.000 Euro, die als Belohnung für Hinweise ausgesetzt wurden.

"Jeder fühlt sich mit der Familie verbunden“, sagt Meinolf Westerhoff. „Der Zusammenhalt in einer Dorfgemeinschaft ist einfach ganz anders als in einer Großstadt“, kommentiert Rainer Wiemer. Der Vorsitzende der Fußball- und Breitensportabteilung des Rot-Weiß Westönnen hatte lange die Hoffnung, dass sich alles noch zum Guten wendet und Liesa lebt. Seit gestern ist die Hoffnung so gut wie erloschen.

Bruder festgenommen

Bereits am Mittwoch hatte die Polizei den 22-jährigen Bruder des mutmaßlichen Täters kurzzeitig festgenommen. Vom gleichen Zeitpunkt an soll der Verdächtige selbst nach Informationen dieser Zeitung observiert worden sein. Was schließlich auch zu seiner Festnahme in Essen führte, wollten die Fahnder aus ermittlungstaktischen Gründen bisher nicht sagen.

Zeugen gesucht

Im Rahmen der Ermittlungen konnte ein vom Tatverdächtigen benutzter Mietwagen, ein schwarzer VW Polo, Kennzeichen HH-NR 7312, sichergestellt werden. Die Mordkommission bittet Zeugen, die das von einem Schwarzafrikaner geführte Fahrzeug in der Nacht vom 16. auf den 17. April 2012 im Bereich Werl-Westönnen oder im Ruhrgebiet gesehen haben, dringend um Hinweise an die Telefonnummer 0231-132 7999.