Eltern boykottieren KiK-Stiftung

KiK-Werbeikone Verena Pooth unterstützt die Stiftung „help and hope“. (Foto: Dietmar Wäsche)
KiK-Werbeikone Verena Pooth unterstützt die Stiftung „help and hope“. (Foto: Dietmar Wäsche)
Foto: Dietmar Wäsche
Die Stiftung „help and hope“, getragen von dem umstrittenen Textildiscounter KiK, steht in Herne vor einem Scherbenhaufen. Die Mitarbeiter klagen über die Arbeitsbedingungen. Eltern üben nach Kündigungen Solidarität.

Herne.. Im Sommer 2010 eröffnete die Stiftung „help and hope“ in Herne ihren bundesweit ersten und einzigen „Kidstreff“ für sozial benachteiligte Kinder, begleitet von Verona Pooth als „Engel im Einsatz“ (RTL 2). Neun Monate später steht „help and hope“ – deutsch: Hilfe und Hoffnung – vor einem Scherbenhaufen: Die vor allem vom umstrittenen Textildiscounter KiK getragene Stiftung muss sich heftiger Kritik erwehren.

Einige der Vorwürfe dürften der Textilkette bekannt vorkommen. Ausbeutung und Mobbing wirft eine Erzieherin (Name der Redaktion bekannt) dem Stiftungs-Vorstand vor. Viele Überstunden seien bei ihr und im gesamten fünfköpfigen Kidstreff-Team angefallen, berichtet die 24-Jährige, die nach sechsmonatiger Probezeit nicht übernommen worden ist. Geld oder Freizeitausgleich habe es im Gegenzug nicht gegeben. Stattdessen sei signalisiert worden, dass man diesen „persönlichen Einsatz“ erwarte.

Alles fürs Image?

„Der Stiftung geht es nicht um die Kinder“, sagen zwei Mütter, deren Söhne in der Einrichtung betreut wurden. Sondern: Es gehe vor allem darum, das Image des Unternehmens aufzupolieren.

Bereits vor einigen Wochen haben drei der fünf Mitarbeiter von sich aus gekündigt, darunter auch der Leiter, ein gelernter Krankenpfleger, und seine Frau. Zur Eskalation kam es vor wenigen Tagen, nachdem der vertraglich noch bis Ende August beschäftigte Leiter von einem Tag auf den anderen freigestellt worden war. Folge: ein Elternboykott aus Solidarität mit den Mitarbeitern. Wo bisher täglich bis zu 30 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren betreut wurden, herrschte am Freitag gähnende Leere.

Eltern stinksauer

Eltern kündigten an, die kostenlosen Angebote wie Mittagstisch oder Hausaufgabenhilfe künftig nicht mehr nutzen zu wollen. „Alle sind stinksauer“, so eine Mutter. Kai-Uwe Lindloff, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, wollte sich nicht äußern.

Die Auseinandersetzung kommt für die Stiftung zur Unzeit. Denn: „help and hope“ plant in Herne eine zweite Einrichtung, ein „Haus der Zukunft“ für Jugendliche. Das Engagement der KiK-Stiftung wird in Politik und Verwaltung nicht erst seit dem Knall im Kidstreff kritisch gesehen. Öffentlichen Widerstand hat es bisher aber nur von der Linkspartei gegeben. Doch selbst bei einer geschlossenen Front gegen die KiK-Stiftung könnte die Stadt keinen Einfluss nehmen: Bei Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit bedarf es nämlich anders als z. B. bei Kitas keiner formalen Genehmigung.

 
 

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