Elektronischer Inspektor soll Gepäckstücke untersuchen

Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services
In Düsseldorf wird ein Spezialgerät entwickelt, das in Zukunft herrenlose Gepäckstücke auf Sprengstoff untersuchen soll. Marktreife für 2019 avisiert.

Düsseldorf. Das Gerät sieht aus wie ein gestylter Rasenmäher, ein futuristischer Rollator, vielleicht noch wie das Unterteil eines Kinderwagens. Aber das vierrädrige Etwas ist dazu da, der Polizei in Zukunft zu helfen, Bürgern unnötiges Warten, so manche Absperrung und viel Aufregungen zu ersparen und den Ermittlern die Arbeit sicherer zu machen.

Der „USBV-Inspektor“, wie sie ihn beim Landeskriminalamt (LKA) respektvoll nennen, wird immer dann zum Einsatz kommen, wenn wieder einmal ein herrenloser Koffer oder ein verdächtiger Rucksack im Bahnhof, auf den Flughäfen oder auf belebten Straßen gefunden wurde. Streng wissenschaftlich nennt sich das gute Stück „multimodaler Sensor-Suite“. Es wird derzeit vom LKA in Düsseldorf gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Wachtberg bei Bonn, mit Firmen und Universitäten und dem Bundeskriminalamt entwickelt, um besser und vor allem schneller gefährlich erscheinende Gepäckstücke zu checken. Nach ausführlichen Tests im nächsten Jahr soll er ab 2019 marktreif sein. Dann erleichtert er der Polizei den Alltag.

Bis zu 600 Einsätze wegen verdächtigen Gepäckstücken

Denn Alltag sind solche Einsätze längst: „Die Tatortgruppe Sprengstoff/Brand hat im Jahr zwischen 450 und 600 Einsätze in Nordrhein-Westfalen zu bewältigen“, sagt Mario Lorenz vom Landeskriminalamt. Lediglich ein Teil davon beziehe sich auf verdächtige Pakete oder Gepäck. Meist sei es auch falscher Alarm. Dennoch: Immer, wenn der Verdacht einer „unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung“ (eben: USBV) vorliegt, werden die Düsseldorfer Entschärfer angefordert.

Die Experten müssen also fast jeden Tag raus, um einsame Koffer auf öffentlichen Plätzen, in Bahnhöfen und auf Flughäfen inspizieren. Mit raumanzugähnlicher Schutzkleidung nähern sie sich den Fundstücken. Straßen werden dann gesperrt, ganze Bahnlinien müssen Pause machen.

Ein Blick in die polizeilichen Einsatzpläne allein der letzten Tage zeigt, wie aufwändig und teuer das ist: 13. August. An diesem Samstagmorgen wird – mitten in der Ferienzeit – die Zufahrt zum Düsseldorfer Airport gesperrt. Sogar der Skytrain, der den Flughafenbahnhof und Parkhäuser mit den Abflug- und Ankunftterminals verbindet, steht still. Erst nach einer halben Stunde, in der das einsame Fundstück untersucht wird, geht alles wieder. Oder am 1. September, in Essen. Auf der Krayer Straße entdecken Passanten vor der Post ein herrenloses Gepäckstück. Gehweg und Straße vor dem Postamt werden abgesperrt. Gegen 12.30 Uhr die Entwarnung. Besonders zahlreiche Einsätze hat auch der Dortmunder Hauptbahnhof hinter sich. Wie überflüssig sie am Ende sein können, haben in den letzten Jahren Funde in Moers und Dortmund (leere Trolleys) oder Düsseldorf (mit Backzutaten gefüllt) gezeigt.

Was kann der "USBV-Inspektor"?

Doch seit dem versuchten islamistischen Anschlag auf den Bonner Hauptbahnhof in der Weihnachtszeit vor vier Jahren wird jeder Alarm besonders ernst genommen. Damals hätte es Tote geben können, wäre der Zünder des herrenlosen Rucksacks funktionsfähig gewesen.

Was kann nun das ferngelenkte Sensorensystem „USBV-Inspektor“, was andere Roboter nicht können? Er wird nicht nur ferngelenkt, seine Sensoren im Millimeterwellenscanner durchleuchten auch die Gefahrenquelle und bilden das Innere ab. Eine digitale Kamera liefert gleichzeitig hochaufgelöste Bilder für eine spätere Beweissicherung. Sensoren vermessen den Tatort dreidimensional. Ein eingebauter PC sammelt die Daten und schickt sie den Ermittlern, die im sicheren Abstand warten. Handelt es sich tatsächlich um einen gefährlichen Sprengsatz, können die Fahnder feststellen, wie die Bombe im Gepäck angeordnet ist und aus welchen Teilen sie besteht.

Sprengung nicht mehr notwendig

Wichtig: Heute zerstört die oft aus Sicherheitsgründen notwendige Sprengung das Behältnis und vernichtet dabei Beweise. „Das erschwert die Ermittlung des Täters“, sagt Stefan Lang, der Koordinator des Projekts am Wachtberger Fraunhofer-Institut. Mit dem Einsatz des Inspektors kann die Radikallösung im besten Fall wegfallen.

 
 

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