Einstiger "Partykönig" wegen Steuerhinterziehung vor Gericht

Gastronomie mit System: die „Fabbrica Italiana“ am Kemnader See
Gastronomie mit System: die „Fabbrica Italiana“ am Kemnader See
Foto: Ingo Otto
Mit seinen Restaurants und Diskos ist Michael N. bekannt geworden. Nun wird ihm nicht nur Steuerbetrug vorgeworfen. Ab Dienstag steht er vor Gericht.

Essen.. Bademeister und Partykönig, Kinder-Verprügler und Karatemeister, Betrüger und Steuerhinterzieher – es gibt viele Begriffe, um den Essener Michael N. (59) zu beschreiben. Fakt ist, dass er mit seinen Disko- und Gastronomie-Ideen viele Spuren im Ruhrgebiet hinterlassen hat. Fakt ist aber auch, dass jetzt die Justiz den Takt angibt. Ab Dienstag steht er wegen Steuerhinterziehung vor dem Landgericht Bochum. Es geht um rund 240 .000 Euro, aber auch um andere Delikte wie Urkundenfälschung und Betrug.

Michael N. wird nicht allein sein. Neben ihm werden seine früheren Geschäftspartner Mario B. (39) und Mike S. (48) Platz nehmen, alle drei aus den eher vornehmen Essener Stadtteilen Rüttenscheid, Stadtwald und Kettwig. Das Trio hat in den vergangenen Jahren ganz gerne in der Öffentlichkeit gestanden. Mit ihnen verbunden sind die zum Großteil verwirklichten „Fabbrica-Italiana“- Restaurants in Essen, Bochum, Hattingen, Mülheim, Velbert-Langenberg und Gelsenkirchen, aber auch Diskos wie Bungalow in Dortmund, Frieda und Beate in Essen oder das Apartment 45 in Bochum.

2014 zerstritt sich das Trio aus banalem Anlass: Mike S. soll einen Streit mit der Freundin von Mario B. angefangen haben. B. trennte sich von seinen Freunden, ging zur Staatsanwaltschaft Bochum und erzählte, dass im Firmenimperium von N. die Einnahmen um bis zu 50 Prozent gekürzt wurden. Das war Ende 2013, die Polizei überwachte die Telefone der ehemaligen Freunde – und bekam mit, wie im Imperium des Michael N. manipuliert wurde.

Fingierter Unfall, frisierter Einbruch

Vor Gericht steht er nun auch wegen eines mutmaßlich fingierten Autounfalls im Frühjahr 2014 in Rüttenscheid. Da fuhr Michael N. laut Anklage mit einem Audi Q5 gegen das Schlafzimmerfenster seiner 300-Quadratmeter-Wohnung. Das Fenster landete auf dem Bett, der Audi stoppte kurz davor. Den Schaden reichte er bei der Versicherung ein. Das hatte der Harley-Fahrer kurz zuvor schon einmal gemacht – auch dieser Fall wird nun verhandelt – bei einem Einbruch, als er die Schadenskosten „brutal“ von 70- auf 200 000 Euro „hochfrisierte“. Aber darauf be­stand er dann doch nicht, weil er kurz danach in U-Haft ging. Zeitgleich stand er vor dem Amtsgericht Essen, weil er die Freunde seiner 13-jährigen Tochter wegen einer harmlosen nächtlichen Fete einzeln verprügelt hatte.

Wenige Wochen nach der Inhaftierung gestand er die Taten und kam in Freiheit. Zurück in den Knast will er nicht mehr. Auch im WAZ-Gespräch räumt Michael N. den Großteil der ihm vorgeworfenen Delikte ein: „Ich kämpfe für eine Bewährung.“ Aus der Gastronomie will er sich zurückziehen, um künftig als Projektentwickler im sozialen Wohnungsbau tätig zu werden. (mit js, B.Ki)

 
 

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