Eine erstaunliche Rechnung beim Klavierfestival Ruhr

Der Chef des Klavierfestivals Ruhr, Franz Xaver Ohnesorg, besorgt Geld der öffentlichen Hand für den Konzertreigen des Initiativkreises Ruhr.
Der Chef des Klavierfestivals Ruhr, Franz Xaver Ohnesorg, besorgt Geld der öffentlichen Hand für den Konzertreigen des Initiativkreises Ruhr.
Foto: WAZ
Wie das Klavierfestival des Initiativkreises Ruhr an eine Förderung aus öffentlichen Kassen in Höhe von 400 000 Euro kam. Die Geschichte einer erstaunlichen Rechnung, bei der Festival-Chef Ohnesorg in seinen Abrechnungen mit der Stiftung Zuwendungen einfach wegließ.

Essen.. Der Initiativkreis Ruhr, ein Verein von 70 Revierkonzernen, feiert sich gerne für seine Stärke: „Wir fördern und werden nicht gefördert“, sagte mal ein Geschäftsführer des Clubs. Was bei diesem Credo überrascht: Ausgerechnet das Klavierfestival Ruhr, das kostspieligste Projekt des Kreises, wird mit öffentlichem Geld gefördert – und wie sich bei genauer Betrachtung erweist, auf Basis einer erstaunlichen Berechnung. Aufseher des Festivals ist Thomas Lange, Vorstand der Nationalbank.

Der Chef des Festivals, Franz Xaver Ohnesorg, bekam für seine Konzerte in den vergangenen zwei Jahren 400 000 Euro von der landeseigenen Kunststiftung NRW. Für das kommende Jahr wird bald über einen neuen Zuschuss von 200 000 Euro entschieden. Das Besondere daran: Eigentlich darf die Kunststiftung nur Verluste decken – so steht es im Fördervertrag. Und das Klavierfestival machte im Förderjahr 2011 keine Verluste.

Tatsächlich wurde nach Recherchen der WAZ offenbar einiges passend gemacht, damit im Fall des Festivals ein förderfähiger Verlust ausgewiesen werden konnte. So ließ Festival-Chef Ohnesorg in seinen Abrechnungen mit der Stiftung Zuwendungen einfach weg.

Ursprünglich sollte der Verlust von drei Konzerten ausgeglichen werden

Dies fällt allerdings nur bei einem Blick in die Details auf. Ursprünglich sollte der Verlust von nur drei Konzerten ausgeglichen werden. Hierfür sagte die Kunststiftung laut Vertrag 200 000 Euro im Jahr zu. Am Ende wurden zehn Konzerte unterstützt.

Wie aus der Abrechnung des Festivals hervorgeht, wiesen die ursprünglich ausgewählten drei Konzerte unter dem Strich nur einen Verlust von 13 000 Euro aus. Die Förderung von 200 000 Euro wäre nicht zu rechtfertigen gewesen. Die am Ende festgelegten zehn Konzerte kommen unter dem Strich auf einen Verlust in Höhe von rund 210 000 Euro. Das passt.

Personalkosten auf Konzerte umgelegt

Allerdings nur unter einer Bedingung. Eigentlich weisen die zehn Konzerte einen Rohgewinn von rund 280 000 Euro aus. Erst dadurch, dass Ohnesorg „Gemeinkosten“ des Festivals wie das Personal auf die Konzerte umlegte, wurde aus dem Gewinn ein Verlust. Zudem wurden bei der Berechnung des Verlustes Einnahmen des Festivals, wie Zuwendungen, nicht berücksichtigt.

Der zuständige Fachbereichsleiter der Kunststiftung sagt, es sei üblich, dass „Gemeinkosten“ angerechnet würden. Der Ausweitung auf zehn geförderte Konzerte habe die Kunststiftung nach Vertragsunterzeichnung mündlich zugestimmt. Ohnesorg sagt, es sei „verursachungsgerecht”, die „Gemeinkosten” umzurechnen. Zuwendungen seien in Absprache mit der Kunststiftung ignoriert worden, damit diese das Festival dauerhaft stärken. Zu den weggelassenen Einnahmen sagte er: Es seien nur die Kosten berücksichtigt worden, die nicht anders gedeckt seien.

Erträge aus Verpachtung der Festivalmarke

Nimmt man die Aussage von Ohnesorg zu den Einnahmen ernst, bleiben allerdings kaum Gemeinkosten übrig, die hätten umgelegt werden können. Im ebenfalls vorliegenden internen Abschluss des Klavierfestivals stehen Erträge aus der Verpachtung der Festivalmarke in Höhe von rund 885 000 Euro Ausgaben für Personal- und Sachkosten in Höhe von 770 000 Euro gegenüber – bei 61 Konzerten. Es bleibt kein Verlust. In seiner Rechnung gegenüber der Kunststiftung hatte Ohnesorg für zehn Konzerte rund 480 000 Euro „Gemeinkosten“ geltend gemacht. Pachterträge selbst stehen nicht in der Abrechnung, dafür aber Sponsorenerlöse der zehn Konzerte. Zuwendungen in Höhe von über 800 000 Euro tauchen gar nicht auf. Auf dem Papier steht ein Verlust.

Fakt ist aber: Dank der Förderung der Kunststiftung machte das Festival einen Gewinn von 171 000 Euro. Dieses Geld wurde in Rücklagen gesteckt. Sprich: Der Gewinn wanderte in eine Spardose. Ohnesorg sagt dazu: Man kann nicht davon reden, dass sein Festival einen Gewinn gemacht habe, weil der Ertrag in den Rücklagen stecke. Unter dem Strich hat das Festival für Ohnesorg eine schwarze Null. Als im Dezember 2010 die Kunststiftung NRW über die Förderung des Festivals entschied, lud Ohnesorg die Entscheider zu seinen Konzerten ein. Und der zuständige Fachbereichsleiter für das Festival nahm schriftlich an: „Ich freue mich sehr, wenn Sie mir jeweils zwei Karten reservieren.“

 
 

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