Ein Teelicht verursachte den Brand in Duisburg

Duisburg.  Ein umgestürztes Teelicht hat den verheerenden Brand in Duisburg-Meiderich ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen eine 74-jährige gehbehinderte Mieterin, die der Polizei erklärte, sie sei unglücklich gegen ihren Wohnzimmertisch gestoßen, darauf sei die Kerze heruntergefallen. Die Flamme entzündete ein Kissen, das Feuer breitete sich schnell in der Erdgeschosswohnung aus. Vorgeworfen wird der Frau fahrlässige Brandstiftung. Drei Menschen starben, 26 wurden verletzt. Zwei schweben weiterhin in Lebensgefahr.

„Die Seniorin war körperlich nicht in der Lage, den Brand selbstständig zu löschen, alarmierte aber die Feuerwehr und versuchte, die Hausbewohner zu warnen“, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die 74-Jährige, die Rauch eingeatmet hatte, konnte inzwischen das Krankenhaus verlassen.

Zur Katastrophe wurde der Brand vor allem, weil die Wärmedämmung der Fassade in Brand geriet und das Feuer so schnell bis zum Dach hinauf kletterte. „Wir sorgen uns seit Jahren um das Brandgeschehen solcher Fassaden“, sagt Jochen Stein vom Verband der Feuerwehren NRW. Schaumdämmstoffe wie Polystyrol brennen zwar eher selten. Aber wenn ein Feuer übergreift, sind die Folgen heftig.

86 Fassadenbrände in 15 Jahren

In Köln gab es Weihnachten 2005 bei einem ähnlichen Brand wie in Duisburg fünf Tote. In Essen setzte 2009 ein brennender Müllcontainer die Fassade eines vierstöckigen Wohnhauses in Brand; laut Feuerwehr habe die verwendete Dämmung der Baustoffklasse B1 entsprochen, was „schwer entflammbar“ bedeutet. Der Deutsche Feuerwehrverband listet seit 2001 bundesweit 86 derartige „Brandereignisse“ auf.

„Wärmedämmung kann Hausbrände verschlimmern“, sagt dazu Wilfried Hinrichs, stellvertretender Leiter der niedersächsischen Materialprüfanstalt für das Bauwesen. Dort hat man 2011 in einem Versuch belegt, wie rasend schnell sich Feuer über Dämmstoffe aus Polystyrol – Marktanteil in Deutschland etwa 32 Prozent – ausbreitet; wenn sie denn einmal Feuer gefangen haben. „Leicht zu entflammen sind sie nicht“, sagt Hinrichs. Ein Feuerzeug reiche nicht, auch einem geschleuderten Brandsatz hielten sie stand. Doch bei einem Zimmerbrand entstehen bis zu 1000 Grad Hitze.

Die Studie aus Braunschweig hatte bei der Baustoffindustrie Protest ausgelöst: „Der Versuchsaufbau entsprach nicht dem für Zulassungsprüfungen geforderten Aufbau.“ Doch ein Experte erklärt in einem WDR-Bericht, dass solche Baustoffe in Deutschland zwar als „schwer entflammbar“ eingestuft sind; laut EU-Klassifizierung aber gelten die gleichen Materialien als brennbar und dürften an Wohngebäuden nicht verbaut werden. Hierzulande aber werde nach deutscher Norm verfahren.

 
 

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