Ein Kanzler für die Ruhris gesucht

Mit großen Erwartungen startete das Ruhrgebiet in das Kulturhauptstadtjahr 2010.
Mit großen Erwartungen startete das Ruhrgebiet in das Kulturhauptstadtjahr 2010.
Foto: ddp

Gelsenkirchen. Noch zweieinhalb Monate darf sich das Ruhrgebiet mit dem Titel „Kulturhauptstadt 2010“ schmücken, aber schon ziehen die Macher Bilanz. Positiv fällt sie aus.

Einig sind sich die Experten, dass der europäische Titel nur ein Schritt auf dem Weg zur Stärkung der „Metropole Ruhr“ sein darf. Auf einer Podiumsdiskussion des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) im Wissenschaftspark Gelsenkirchen, widersprach „Ruhr.2010“-Geschäftsführer Oliver Scheytt dem Vorwurf, die Kulturhauptstadt sei bei den Bürgern nicht angekommen. Der Essener erinnerte an den Imagegewinn für die gesamte Region: „Gut die Hälfte der Bürger kennt uns. Wir waren erfolgreich in der Außenwirkung. 140 Millionen Euro müsste man aufwenden, um die Werbepräsenz zu erzielen, die wir erzielt haben.“

Raumplaner Achim Prossek von der Technischen Universität Dortmund mahnte, dass die Region sich mit Problemen auseinandersetzen müsse. Trotz der guten Resonanz bleibe das Bild der Metropole diffus: „Das Ruhrgebiet als künftige europäische Metropole, da steht das große Bild noch nicht.“ Wilhelm Klümper, stellvertretender WAZ-Chefredakteur und Moderator der Diskussion, fragte ihn nach dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen im Ruhrgebiet. Prossek: „Jetzt ist es da. Wichtig ist aber, wie es sich ab 2011 entwickelt.“

Lob kam auch aus dem Publikum für die Breitenwirkung der Aktionen im Kulturhauptstadtjahr, zum Beispiel für „das Meisterstück der Vernetzung mit Kleinstzellen“, wie es ein Raumplaner aus Wien formulierte. Ob die Love-Parade einen Rückschlag darstelle, fragte Klümper. „Das Fröhliche hat einen Dämpfer bekommen, aber bei der Nachhaltigkeit von Ruhr.2010 spielt sie keine Rolle“, hofft Heinz-Dieter Klink, Direktor des Regionalverbandes Ruhr. Prossek bemängelte, wie überregional nach der Duisburger Katastrophe fast hämisch über die Stadt als Provinz hergezogen worden sei: „Als wäre es eine Stadt mit nur 5000 Einwohnern.“

Oft kam die Diskussion auf die Identität des Ruhrgebietes, auf das Selbstverständnis der Region zurück. Der Wandel vom Industriegebiet zum Kulturgebiet schreitet voran, da waren sie sich einig. „Brauchen wir ein Gesicht des Ruhrgebietes, einen Ruhrkanzler?“, wollte Klümper wissen. Vorsichtig stimmten die Experten zu. Von einer „moderierenden Position“ sprach Scheytt, der ausdrücklich an die Abkehr von der „Ruhrstadt-Idee“ erinnerte. Das Thema „Zusammenwachsen“ sei wichtig, Identität müsse gestiftet werden. Immerhin: Der Begriff „Ruhri“ sei auf dem Vormarsch.

 
 

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