Ehefrau getötet: Zwölf Jahre Haft für Bottroper Frank S.

Frank S. beim Prozessauftakt vor dem Essener Schwurgericht. Im Bild mit seinen Anwälten Klaus Rothfahl (l.) und Wolfgang Zeitler.
Frank S. beim Prozessauftakt vor dem Essener Schwurgericht. Im Bild mit seinen Anwälten Klaus Rothfahl (l.) und Wolfgang Zeitler.
Foto: Kai Kitschenberg
Im Gegensatz zur Anklage erkannten die Richter nicht auf Mord, sondern auf Totschlag. Staatsanwältin spricht von "Ich-Bezogenheit" des Angeklagten.

Bottrop/Essen. Dem Bottroper Journalisten Frank S. (55) bleibt eine Verurteilung zu lebenslanger Haft erspart. Das Essener Schwurgericht verurteilte ihn am Freitag wegen der Tötung seiner 48 Jahre alten Ehefrau zu zwölf Jahren Gefängnis. Im Gegensatz zur Anklage erkannten die Richter nicht auf Mord, sondern auf Totschlag. Richter Andreas Labentz betonte zu Beginn der Urteilsbegründung, dass die Strafkammer bei der Rekonstruktion des Geschehens auf die Darstellung des Angeklagten zurückgreifen müsse. Diese werde aber durch viele Details objektiv gestützt.

Streit gab es auch wegen des Geldes

Am 10. Oktober 2015 hatte Frank S. seine Ehefrau umgebracht. Sie hatte einen anderen Mann und wollte sich nach 28 gemeinsamen Jahren von ihm trennen. Streit gab es, wieviel Geld der für Unternehmen arbeitende PR-Journalist ihr bei einer Trennung zahlen sollte.

Einen Tag vor dem 16. Geburtstag ihrer gemeinsamen Kinder, Zwillinge, hatte er sie im Wohnhaus der Familie am Rande der Bottroper Innenstadt gewürgt, ans Bett gefesselt und mit einem Messer mehrfach verletzt. Sie starb durch Verbluten, nachdem er die Halsschlagader aufgeschnitten hatte. Sein eigener Suizid scheiterte, die Wunden waren nach Einschätzung von Medizinern nur oberflächlich.

Staatsanwältin sieht äußerst brutale Tat

Staatsanwältin Valeria Sonntag forderte in ihrem Plädoyer vor dem Essener Schwurgericht lebenslange Haft wegen Mordes. Sie sprach von einer „äußerst brutalen Tat”, die „Ausdruck tiefster Ich-Bezogenheit” sei.

Rechtsanwältin Dorothee Düttmann vertrat die Kinder in der Nebenklage. Für diese sei das Leben zusammengebrochen, sie müssten zur Ruhe kommen. Als zynisch bezeichnete sie den Abschiedsbrief des Angeklagten, in dem er den Kindern „ein tolles Leben” wünschte.

Auf sieben Seiten hatte Frank S. vor und nach dem Tod der Ehefrau für die Kinder aufgeschrieben, aus welchen Gründen die Ehe zerbrochen sei. Darin machte er vor allem seine Frau für das Scheitern verantwortlich. Auch finanzielle Gründe sprach er an: „Ich bekomme bei dem Gedanken Schnappatmung, dass sie mit meinem Nebenbuhler in die Eigentumswohnung zieht.”

Angeklagter: Keine Erinnerung

Frank S. hatte vor Gericht angegeben, dass er zunächst allein Selbstmord begehen wollte. Erst später hätte er seiner Frau vorgeschlagen, sich auch das Leben zu nehmen. Das habe sie abgelehnt. An die eigentliche Tat will er keine Erinnerung haben.

Von „rücksichtslosem Eigennutz” sprach Rechtsanwalt Rüdiger Deckers, der den Vater der Getöteten ebenfalls in der Nebenklage vertrat. Auch er forderte eine Verurteilung wegen Mordes mit einer lebenslangen Haft. In rechtspolitischen Diskussionen hatte der prominente Strafverteidiger sich zuletzt für eine Reform des Mord-Paragrafen eingesetzt, weil dieser nicht mehr in die Zeit passe.

Am Freitag hatte er dagegen kein Problem mit dieser Vorschrift. Die Tat stehe „auf sittlich tiefster Stufe”, die für eine Mordverurteilung notwendigen „niedrigen Beweggründe” lägen vor. Der Angeklagte habe der Ehefrau das „Recht auf Selbstentfaltung” genommen und einen „Macht- und Kontrollverlust” gefürchtet. „Bestialisch”, so charakterisierte Deckers die Tat.

Verteidiger spricht von Verzweiflung

Angesichts der Tatausführung und des Abschiedsbriefes hatte es die Verteidigung schwer, gegen die Einstufung als Mord anzukämpfen. Rechtsanwalt Wolfgang Zeitler schilderte den Angeklagten als verzweifelten Menschen. Für ihn sei das ganze Leben zusammengebrochen, als seine Frau sich von ihm trennen wollte. Die Familie habe für ihn an erster Stelle gestanden, das Zusammenleben mit Frau und Kindern.

Das Fremdgehen seiner Frau habe Frank S., der erfolgreich in der Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen gearbeitet hatte, als „wiederholtes und unfaires Verhalten” empfunden. Zeitler: „Es führte bei ihm zu einem Tunnelblick, zu einem Kontrollverlust.” Frank S. habe vor der Tat mit dem Leben abgeschlossen: „Das führte zu einer Emotionalität, die man nicht mehr steuern kann.”

Frank S., der vor allem beim Plädoyer seines Verteidigers mehrfach in Tränen ausbrach, brach in seinem letzten Wort, das er schriftlich formuliert hatte, um Verzeihung. Er habe nie an Gewalt gedacht: „Das macht es mir unmöglich zu verstehen, was mich am 10.Oktober geritten hat.” Er liebe seine Frau noch immer, sagte er. Und er wünschte allen, die er verletzt habe, „dass ihnen meine Verurteilung hilft, ins Leben zurückzufinden”.

Das Gericht folgte letztlich der Verteidigung und erkannte auf Totschlag. Das finanzielle Motiv von Frank S., das er selbst im Abschiedsbrief angesprochen hatte, sei zwar „verwerflich“. Allerdings aus Sicht des Gerichtes nicht so verwerflich, dass das Mordmerkmal „niedriger Beweggrund“ vorliege, sagte Richter Labentz.