E-Bike-Festival in Dortmund will neue Zielgruppen ansprechen

Hubert Wolf
Lastenfahrrad-Rennen beim E-Bike-Festival in Dortmund: Rund 100 Händler und Hersteller präsentieren alles rund um das E-Bike der Zukunft.
Lastenfahrrad-Rennen beim E-Bike-Festival in Dortmund: Rund 100 Händler und Hersteller präsentieren alles rund um das E-Bike der Zukunft.
Foto: Ralf Rottmann, FUNKE Foto Services
In Dortmund hat ein „E-Bike-Festival“ begonnen. Die Branche stellt sich drei Tage lang vor und hofft auf weiteres Wachstum.

Dortmund. Das Rennen „Einspurige elektrische Lasträder“ gewinnt entschieden dadurch, dass es eben nicht nur ein Fahrradrennen ist. Kuriere müssen da fahren und bremsen, schnell eine Kiste Wasser aufladen, weiterfahren, bremsen, eilig einen Packen Zeitungen dazu, weiter, den Lieferschein aufgreifen, abgedrängt und zugeparkt wird übrigens auch gern, einer stürzt . . .

535.000 Elektroräder 2015 in Deutschland verkauft

Und das ist gar keine Slapstick-Veranstaltung. Sondern Beiprogramm zum „E-Bike-Festival“, das am Freitag in Dortmund begann und bis Sonntag dauert. Eine Mischung aus Expo, Messe, Sport und Probefahrten, um neue Zielgruppen anzusprechen. „Wir erwarten einen starken Impuls für das weitere dynamische Wachsen des E-Bike-Marktes“, so Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des „Zweirad-Industrie-Verbandes“. 535.000 E-Räder verkaufte sie 2015 in Deutschland, dieses Jahr hofft sie auf zehn Prozent mehr.

Die Branche begann vor Jahren mit Tiefeinsteigern für Leute, die Rücken hatten; heute sucht sie eine in jeder Hinsicht neuere Kundschaft: jung, sportlich und gesund. Rund 100 Aussteller haben sich aufgebaut in der Innenstadt, viele Fachleute sind unterwegs, und für eine Fahrrad-Veranstaltung ist recht viel die Rede von Silizium-Akkus oder Hinterradnabenmotoren, von Energierückspeisung oder Unterstützungsstufen. Und Lastrad heißt hier Cargo-Bike.

„Kommen Sie mit einem Lächeln zurück“

Laien werden hingegen eher so angesprochen: „Nehmen Sie sich ein Rad, machen Sie eine Probefahrt und kommen Sie mit einem Lächeln zurück“, sagt Immanuel Seeger von ,Go Swiss Drive’ – Tochterfirma eines ehrwürdigen Maschinenbauers aus Wermelskirchen. „Wir halten E-Mobilität für ein großes Zukunftsthema“, sagt Seeger. Der Ansicht ist auch Anne-Maria Aufschnaiter, die die Kitzbüheler Alpen vertritt in deren unterschätzter Eigenschaft als Radwanderregion: „Der Altersschnitt bei den Gästen wird jetzt immer jünger“, erzählt sie: Früher seien die Männer mit Mountainbikes losgefahren und die Frauen lieber im Hotel geblieben – „heute fahren sie mit E-Mountainbikes mit“.

Annette Becker ist noch nicht überzeugt vom E-Rad. Ihr gehört seit 29 Jahren die Firma „Der heiße Reifen“, die mit herkömmlichen Fahrrädern Dokumente oder Medizin, Geschenke oder Filme innerhalb Dortmunds von A nach B fährt. 1987 begann Becker mit zwei Leuten und zwei Rädern, heute sind sie 20. Aber zumindest eines der Autos, die auch für den heißen Reifen unterwegs sind, will sie künftig durch ein Elektrorad ersetzen. Zurück in die Zukunft, sozusagen.