Dortmunder Dasa simuliert Lotsenalltag im Flughafen-Tower

Hubert Wolf
Die Medientechnikerin Kirsten Lidtke bedient in Dortmund bei der Dasa die Kontrollkonsole eines „Tower-Simulators".
Die Medientechnikerin Kirsten Lidtke bedient in Dortmund bei der Dasa die Kontrollkonsole eines „Tower-Simulators".
Foto: Volker Hartmann
Dortmunds Flughafen steht Modell für Europas erste allgemein zugängliche Flugtower-Simulation. Allerdings herrscht im Datenflugraum mehr Betrieb.

Dortmund. Sieht fast aus wie Wirklichkeit, ist aber nur Licht und Computerprogramm: Man blickt aus dem Tower aufs Flugfeld, da starten und landen Flugzeuge, andere parken, Gepäckwagen fahren umher, Wolken ziehen auf; englischsprachiges Funkgeknödel erklingt, und Schaltflächen warten auf Entscheidungen. „Realer können Sie das nur erleben, wenn Sie den echten Tower betreten“, sagt am Mittwoch Udo Mager, der Geschäftsführer des Flughafens Dortmund. Das aber ist aus Sicherheitsgründen praktisch unmöglich.

Selbst Mager darf das nicht.

Wetter auf Knopfdruck

Die „Deutsche Arbeitswelt Ausstellung (Dasa)“ im Dortmunder Westen eröffnet in drei Tagen eine Tower-Simulation, angeblich die einzige in einer öffentlichen Einrichtung in Europa – wo Fluglotsen lernen, gibt es sie natürlich reichlich. Die Simulation ist dem Flughafen im Osten der Stadt nachempfunden und gibt eine 10,60 Meter mal 4,30 Meter große 180-Grad-Vorstellung davon, wie Fluglotsen ihr Vorfeld sehen. Von Sonntag an können Dasa-Besucher hier Platz nehmen und über Oberflächen Einfluss auf Wetter und Beleuchtung.

Nur lotsen ist schöner.

Man könne sich „ohne Vorkenntnisse die Oberflächen spielerisch erarbeiten“, sagt Projektleiter Michael Stahl. Denn Simulation ist ein großes Wort: Besucher können zwar „Landung“, „Start“ oder „Notfall“ (ein kleiner) vorgeben und dann zuschauen, wirklich Einfluss nehmen aber nicht. Sie können es auf Knopfdruck schneien oder dunkel werden lassen, und die echten Wetterdaten aus Wickede werden auch aufgespielt.

Vorführungen mit ehemaligen Lotsen

Eher als Zugabe darf man jenen Bildschirm betrachten, auf dem zu sehen ist, was der Pilot sieht, sowie einen weiteren, auf dem das herrliche Spielzeug „flightradar24.com“ herrscht: Unter der Internet-Adresse findet man jedes Passagierflugzeug der Welt, das gerade fliegt, auf seiner aktuellen Position.

Ebenfalls von Sonntag an wird dann der ehemalige Dortmunder Fluglotse Holger Kieseleit den Besuchern erläutern, was sie hier sehen. Man habe als Fluglotse „keinen Dauerstress, sondert geht von 0 auf 100 und wieder auf 0“, sagt er. Sein Beispiel: Wenn das Wetter umschlage und „zehn Kleinflugzeuge zugleich ansagen, dass sie sofort landen müssen“. Man müsse sie dann nach Wartezeiten „stapeln“.

200.000 Euro investiert

Bei aller Datenübertragung braucht der Fluglotse aber weiter seinen Tower wegen des Blicks auf das Flugfeld, sagt Mager: In Kleinflugzeugen werde häufiger angezeigt, dass das Fahrwerk nicht ausgefahren sei. „Dann muss der Pilot eine Schleife drehen und der Fluglotse guckt mit dem Fernglas, was mit dem Fahrwerk ist.“ Fast immer sei es doch ausgefahren.

200.000 Euro hat die Tower-Simulation gekostet und an dieser Stelle einen nachgebauten Raum aus einem Jobcenter ersetzt, der nicht so furchtbar populär war. Der Flughafen Dortmund unterstützt das Projekt, um „Techniken und Prozesse einem breiten Publikum zu präsentieren“, so Mager, und um junge Leute auf den Mangelberuf Fluglotse zu stupsen.

Kein Wunder bei der Unterstützung, dass die Simulation recht wohlwollend mit dem Flughafen Dortmund umgeht: Anders als in der Wirklichkeit, verkehrt hier Lufthansa. Man darf auch getrost vorhersagen: Die Zahl der Starts und Landungen wird in der Simulation höher sein.