Die Wucht der Satire

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gilt als Anhängerin des politischen Kabaretts im Allgemeinen und des ZDF-Satirikers Oliver Welke im Besonderen. 2012 sollte Kraft bei einer Preisverleihung an Welke eine Laudatio halten. Sie präsentierte stattdessen ein selbst gedrehtes Video, in dem sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel über den Preisträger äußerte. Zudem parodierte Kraft als „Gernotine Hassmagd“ einen Wutausbruch des „heute show“-Cholerikers Gernot Hassknecht. Das Video wurde im Internet zum viralen Hit.

Ein Jahr später war die Ministerpräsidentin sogar als erste SPD-Spitzenpolitikerin überhaupt in Welkes Sendung zu Gast und schlug sich tapfer. Seither wird Krafts Freundschaft zu dem Satireformat jedoch einigen Belastungsproben unterzogen. Im Frühjahr 2016 schickte Welke seinen Außenreporter Lutz van der Horst in die SPD-Parteizentrale nach Mülheim, um in Krafts Gegenwart „aus Mitleid“ den Sozialdemokraten beizutreten. Der Komiker servierte der Ministerpräsidentin nach der Unterzeichnung des Mitgliedsantrags einen „Kleinen Feigling“ („mehr Prozent als die SPD“), weil Kraft sich erfolgreich um die SPD-Kanzlerkandidatur gedrückt habe.

Diese Spötteleien waren jedoch nichts gegen die „heute show“-Abrechnung, die in der vergangenen Woche manchen Akteur in Düsseldorf beschäftigte. Welke zog minutenlang über „Nordrhein-Katastrophalen“ her und spießte das miese Abschneiden des Landes bei Staus, Schulden, Firmeninsolvenzen oder Kinderarmut auf. „Wäre NRW ein Pferd, man würde es erschießen“, ätzte Welke. Vor allem Krafts Regierungsarbeit wurde als Lachnummer dargestellt. So präsentierte Welke eine neue NRW-Edition des Simulationsspiel-Klassikers „Sim City“ mit der Ankündigung: „Haste Bock, mal ein ganzes Bundesland in Grund und Boden zu regieren?“

 
 

EURE FAVORITEN