Die Politiker-WG trifft auf die Realität in Marxloh

Duisburg..  Politiker reden immer nur – und wenn sie handeln, dann nur im eigenen Interesse. So lautet das Vorurteil aller Politikverdrossenen. Nun wollen sieben NRW-Politiker von der Bundestagsabgeordneten bis zum jugendlichen Nachwuchs beweisen, dass sie anpacken können: Der WDR hat sie in eine Wohngemeinschaft in Duisburg-Marxloh gesteckt; seit Sonntag sind sie nun mit den Problemen vor Ort konfrontiert, auf Schritt und Tritt verfolgt von Kamerateams.

Erster Treffpunkt: Frühstückstisch in der leeren Ex-Bäckerei unter der WG. „Wir wollen hier niemandem erklären, wie die Welt funktioniert“, sagt Ulrich Scholten (SPD), der bald in Mülheim als Oberbürgermeisterkandidat antritt. Denn die Duisburger Kommunalpolitik hat mit Skepsis auf die Gäste reagiert. „Die sollen doch erst einmal in ihren eigenen Städten schauen, was zu tun ist“ oder „Glauben die, wir hätten die Probleme nicht im Blick“ – das waren noch die höflichen Reaktionen. Scholten sagt darauf, man wolle erst einmal zuhören.

Doch ein Teil der Gruppe hat durchaus konkrete Aufgaben bekommen – vom WDR. Einen Jugendtreff gilt es zu etablieren. Die 17-jährige Paula Marie Purps (CDU, Hagen) sucht darum das Gespräch mit Jugendlichen auf der Straße. Doch die erklären ihr, dass es zwar Jugendzentren gebe, aber dort auch viel zu oft Streit. Einige Bevölkerungsgruppen kämen nicht miteinander klar, will WG-Genosse Klaus Franz (CDU, Bochum) beobachtet haben. Viele hätten gar Angst voreinander.

„Wir müssen ein Angebot für die 13- und 14-Jährigen finden, vor allem für die Mädchen. Für die gibt es hier gar nichts. Die treffen sich immer nur mit ihren Cliquen im Freien“, erklärt Jungpolitikerin Purps. Worauf Juso Manuel Dröhne von einem mobilen Jugendtreff in seiner Heimatstadt Oberhausen erzählt. Die WG beschließt: Man müsse prüfen, ob ein vergleichbares Angebot auch hier existiert. Falls nicht, wäre das eine Lösung.

Scholten, Franz und Kathrin Vogler (Die Linke, Emsdetten) tragen diese Idee zum Petershof, dem Sozialpastoralen Zentrum in Marxloh. Pater Oliver aber nutzt die Gelegenheit, loszuwerden, was ihm wirklich unter den Nägeln brennt: die fehlende Krankenversicherung der vielen Zuwanderer im Stadtteil. Die wöchentliche Gesundheitssprechstunde, ehrenamtlich getragen von zehn Medizinern, sei überlaufen. Bis zu 300 Menschen warten an jedem Donnerstag auf Versorgung. „In anderen Städten können diese Menschen Krankenhäuser aufsuchen. Hier in Duisburg haben wir noch keine solche Lösung gefunden“, stellt Pater Oliver fest. „Im Augenblick ist es an uns, die Scherben aufzukehren.“ Die drei Gast-Politiker lauschen und halten inne. Viel zu viele Probleme für nur eine Woche.

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