Das Ruhrgebiet macht die Nacht an

Ruhrgebiet..  Hier beginnt die Extraschicht leise und schwarz-weiß, ganz anders, als es ihre Art ist. Die besten Pressefotos des letzten Jahres hängen aus im Dortmunder „Depot“ – einst die Hauptwerkstatt des Nahverkehrs, heute ein soziokulturelles Zentrum. Vor der Ausstellung machen Menschen Selfies, Fotos ihrer selbst, vor aufgehängter Industriekulisse. „Ich wollte eigentlich nur sehen, wie das ist“, sagt Ursula Hünnemeyer aus Castrop-Rauxel, Extraschicht-Fan wie ihr Mann Peter: „Man entdeckt immer noch viele Sachen neu.“

Die Selfies passen

Die Selfies passen eigentlich ganz gut zur Extraschicht: sich ein Bild zu machen. Wer sind wir? Wo kommen wir her? Willkommen auf der größten Veranstaltung zur Selbstvergewisserung des Ruhrgebiets. Und jetzt beginnt gleich die erste Führung durch das alte Depot. „Führungen sind immer sehr beliebt“, sagt Frank Haushalter aus der Geschäftsführung.

1000 Künstler. 48 Spielorte zwischen Hamm und Moers, zwischen Marl und Hattingen. Alte Industrie wird besungen, betanzt, bestrahlt, bestaunt. Strahlend steht sie im Licht. A capella singen sie im Klärwerk Bottrop. Stahl hautnah bei Thyssen-Krupp in Duisburg. Der Wasserturm als Leucht-Turm von Mülheim. Und natürlich geht es am Archäologiemuseum in Herne aufwühlend zu: „Erde“, sagen sie hier „ist das Gedächtnis der Menschheit.“ So viel – und du hast nur acht Stunden! Meistgestellte Frage des durchorganisierten Besuchers: „Wie viel Zeit haben wir hier?“

Natürlich leidet sie unter dem nässenden Dauerregen, doch immerhin: Abends geht er in einzelne, wenngleich durchaus energische Schauer über. „Wir sind schlechtes Wetter gewohnt“, sagt Kirsten Hansonis, die Sprecherin von Ruhr-Tourismus. 2015 hat es durchgeregnet, 2014 sich gegen Abend beruhigt. „Die Spielorte sind vorbereitet, und manche haben Notlösungen“, sagt Hansonis. Teilweise verlegen sie das Programm in die Hallen hinein. Teilweise haben sie Pavillons aufgestellt.

Beispiel Zeche Hannover, eine wahre Burg für den Bergbau im Bochumer Norden. Heute ein Industriemuseum. Dort haben sie mit augenrollendem Blick in den Himmel ihre wunderbare Steampunk-Ausstellung in Zelte auf einer matschigen Wiese verpackt.

Steampunk?

„Ich habe zum Beispiel einen Zylinder im Auto stehen statt einer Klorolle“, sagt Katja Drews aus Recklinghausen. Steampunk, erzählt sie bester Dinge, lehnt sich an an die viktorianische Ära. Bevor es Strom gab. Nur Dampfmaschinen. „Zahnräder, Ornamente, Tournüren, Plüsch“ seien verbindende Elemente der Steampunker. Für sie ist die Extraschicht auch eine Chance, die Bewegung vorzustellen. Die Zelte sind voll, die Gäste gucken, die ersten fahren schon wieder. Weiter, nur weiter. Das Ruhrgebiet macht die Nacht an. Hünnemeyers kommen auch gleich.

 
 

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