Bundeswehr räumt in Düsseldorf nach Unwetter mit Panzern auf

Nach Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Nach Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Bundeswehrsoldaten sind mit Panzern nach Düsseldorf gekommen. Sie sollen helfen, die Sturmschäden zu bekämpfen. Die anderen Städte im Ruhrgebiet wollen das ohne Hilfe vom Bund schaffen. Sie sagen: „Wir brauchen kein schweres Räumgerät.“

Ruhrgebiet/Düsseldorf.. Und plötzlich ist der ländliche, reiche Rand von Düsseldorf „Einsatzgebiet Ost“. Steht so auf der Karte der Bundeswehr, die am Donnerstag mit Pionieren und Panzern in der Landeshauptstadt eingerückt ist. 300 Mann, 40 Kipplaster, 30 Baumaschinen und zwei 30-Tonner Typ „Dachs“ sollen helfen, die Unwetterschäden endgültig niederzukämpfen – ein Sturm-Trupp, gewissermaßen.

Ein Rathausmitarbeiter aus Gelsenkirchen ist einer der ersten, die sich wundern: Pionierpanzer auf der Autobahn 2!? „Warum kriegen wir die nicht?“ Nun, wie es aussieht, hat das Ruhrgebiet nicht gefragt. Seit Tagen schon vermittelt das Land NRW Unterstützung für die müden Feuerwehrleute, die seit Montagnacht und dem Abzug von Sturm „Ela“ im Dauereinsatz sind. Doch auch die Freiwilligen Wehren aus der Umgebung sind schon tagelang im Einsatz, „wir haben keine Kräfte mehr“, sagt Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen doppelsinnig.

Marschbefehl für Pionierregiment und Panzerkompanie

Da fiel dem Krisenstab in Düsseldorf die Bundeswehr ein. „Wir sind dabei!“ meldete die sofort und setzte Soldaten des Pionierregiments 100 aus Minden und der Panzerpionierkompanie 200 aus Augustdorf in Marsch. Vor Ort wurde zunächst sondiert, die ehemalige Philipps-, heute Mitsubishihalle als Schlafstelle bezogen und der Stadtteil Hubbelrath als Panzerparkplatz. Dann erst werde er „die Befehle geben“, so Major Michael Thiele.

Zu tun ist noch genug in der Stadt, gerade im Osten, wo über den Grafenberger Wald die Stadt ins Land übergeht. Ganze Straßen liegen hier noch voll, „ein Räumpanzer“, hofft Schülpen, „kann da richtig Platz machen“. In der Innenstadt wird weiter die Feuerwehr aufräumen, dort werden Hubsteiger und Leitern gebraucht.

Was wohl auch der Grund ist, dass andere Städte bislang nicht nach der Bundeswehr riefen: „Wir brauchen nirgends so schweres Gerät“, heißt es bei der Feuerwehr in Bochum, es gehe derzeit vor allem in die Höhe. 850 Einsätze warten noch, vor allem Äste, die an- oder abgebrochen sind, aber immer noch in den Baumkronen hängen. Auch Essen kommt „mit eigenen Kräften und den Landesbereitschaften gut zurecht“, sagt Feuerwehrsprecher Mike Filzen, zumal auch die Leute des städtischen Betriebs „Grün und Gruga“ sowie Privatfirmen mit anpacken. Auch hier gilt: „Schweres Räumgerät brauchen wir nicht.“

Letzte Linden in der Lindenstraße von Bottrop könnten fallen

Dabei sind viele noch lange nicht soweit, dass sie an hängende Äste denken könnten oder wackelige Dachpfannen: Sie räumen immer noch die Wege frei. In Bottrop gibt es für die Siedlung Welheim sogar ein Einfahrtverbot. Der Nahverkehr meidet die Gartenstadt, in deren Lindenstraße möglicherweise auch die letzten überlebenden Linden noch gefällt werden müssen. „Die sind alle unter Spannung“, sagt Polizei-Hauptkommissar Ralf Schlechter. „Das sind die Gefahren, die wir in den nächsten Wochen abarbeiten müssen.“

Anderswo sind sie schon dabei. Das Telefon „klingelt Sturm“, sagt ein Baumpfleger in Dortmund, was eine nette Formulierung ist in diesem Zusammenhang, er arbeitet jetzt zwölf Stunden am Tag und nur dort, wo „Gefahr im Verzug“ ist. Sie rufen ihn, weil der Wind Äste brach, aber nicht davonwehte, und wenn er oben ist, dann findet er weitere Bruchstellen, die von unten gar nicht sichtbar waren. Irgendjemand nennt diese Arbeit „Bäume entschärfen“. Und „Ela“ brachte noch andere Wortschöpfungen: den „Motorsägen-Tinnitus“ im Ohr. Und „Dschungeldorf“ für Düsseldorf.

Ein Handwerker aus Essen, der dort eigentlich eine Wohnung renovieren müsste, zersägt seit drei Tagen sechs Tannen, die in Mülheim-Raadt in einen Garten stürzten. Bis Anfang nächster Woche soll das Schlimmste geschafft sein, das haben sich alle Wehren vorgenommen, ob nun Feuer- oder Bundeswehr. Bis zu zwei Monate allerdings könne es dauern, schätzt die Feuerwehr in Bochum, bis alles wieder „auf Stand“ sei. Nur, all die vielen gefallenen Bäume kommen nie wieder auf Stand.

 
 

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