Veröffentlicht inrhein-und-ruhr

Beratungsstellen warnen vor Strafandrohung für Freier

Beratungsstellen warnen vor Strafandrohung für Freier

Essen. 

Prostitution ist gerade ein großes Thema. SPD und Union wollen den Druck auf Freier erhöhen, Frankreich plant harte Strafen für alle Kunden von Prostituierten. Und die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer fordert in einem Appell gar das Ende der Prostitution.

Die Prostituierten-Beratungsstellen Kober (Dortmund), Madonna (Bochum) sowie Iris Sperg vom Duisburger Gesundheitsamt beobachten diese Entwicklungen mit Sorge. Prostitution lässt sich nicht per Gesetz verbieten, meinen sie. „Dann würden sich die Frauen dort prostituieren, wo sie niemand mehr im Blick hat“, warnt Mechthild Eickel (Madonna). Das Ergebnis: extreme Unsicherheit, Gefahren für die Gesundheit der Frauen.

Können Freier überhaupt erkennen, ob eine Frau zur Prostitution gezwungen wird? CDU-Politiker glauben daran. Iris Sperg nicht: „Selbst für uns Sozialarbeiter ist das schwer zu erkennen.“ Sie und ihre Kolleginnen Mechthild Eickel und Elke Rehpöhler (Kober) fürchten, ein härteres Prostitutionsgesetz würde Freier davon abhalten, wie bisher mögliche Fälle von Zwangsprostitution zu melden. „Das macht kein Kunde, wenn er fürchten muss, bestraft zu werden“, gibt Rehpöhler zu bedenken.

5000 bis 10 000 Prostituierte

Verlässliche Zahlen zur Prostitution im Ruhrgebiet gibt es wenige. Das Gesundheitsministerium sagt: „Institutionen wie Beratungsstellen für Prostituierte schätzen, dass es eine weibliche Prostituierte pro 500 bis 1000 Einwohner gibt. Ausgehend davon wäre im Revier von 5150 bis 10 300 Prostituierten auszugehen.“ Experten zufolge sollen es in Dortmund rund 1500 sein, in Bochum 500. In Duisburg gab es im Herbst 2012 insgesamt 440 Zimmer in Bordellen. Dort arbeiteten 224 Frauen. 56 stammten aus Bulgarien, 69 aus Rumänien, 14 waren Deutsche. Auf dem Straßenstrich arbeiten in Duisburg zehn bis 20 Frauen. Dazu gibt es 30 bekannte Clubs und Saunen dort.