Bedroht das Rauchverbot die Wirtschaft?

Eine Raucherkneipe in Gelsenkirchen. Foto Jakob Studnar
Eine Raucherkneipe in Gelsenkirchen. Foto Jakob Studnar
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Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband zeichnet das Bild vom Rauchverbot als Kneipenkiller. 3000 Gastronomiebetriebe stünden vor dem Aus. Der Blick nach Bayern zeigt. In der Tat verlieren die kleinen Betriebe. Die großen aber profitieren sogar vom strengen Rauchverbot.

Ruhrgebiet.. Die wichtigste Nachricht vorab: Auf Schalke ändert sich nichts durch das neue Nichtraucherschutzgesetz. Solange das Dach geöffnet ist, darf in der Fankurve gequalmt werden, ist das Dach geschlossen, soll die Kippe aus bleiben. Gleiches gilt für alle Stadien. Die einzige Änderung: Raucherräume fallen künftig weg, so das NRW-Gesundheitsministerium.

Doch der Kampfschauplatz liegt woanders: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zeichnet das Bild vom Rauchverbot als Kneipenkiller. 3000 Gastronomiebetriebe stünden vor dem Aus. „Wir sind für die Beibehaltung der jetzigen Regelungen bei Korrekturen“, sagt Sprecher Thorsten Hellwig. Beim Jugendschutz könne nachgebessert werden. Und die Regelung zu Raucherclubs hatte das Oberverwaltungsgericht Münster eh kassiert.

Ein Drittel der Wirte ist für das Rauchverbot

Aber was ist dran an den Horrorszenarien? Die Zahlen beruhen vor allem auf Einschätzungen der betroffenen Gastwirte in NRW: Ein Drittel glaubt, ein absolutes Rauchverbot hätte keine Auswirkungen. Sieben Prozent versprechen sich gar Umsatzsteigerungen. Der Rest sieht die Gefahr von Umsatzrückgängen. Ein knappes Drittel sieht diese gar bei über 20 Prozent.

Der Blick nach Bayern erdet die Diskussion. Dort herrscht ein strenges Rauchverbot seit August 2010, beschlossen per Volksentscheid. Auch der Dehoga tritt hier differenzierter auf: „Es gab positive wie negative Auswirkungen“, sagt Sprecher Frank-Ulrich John. „Je größer der Betrieb und je speisenlastiger, desto besser kam er zurecht.“ Viele hätten sogar profitiert. Die Verlierer waren die Kneipen unter 75 Quadratmetern: 30 Prozent der Gäste blieben im Sommer weg, die Umsätze brachen im selben Umfang ein.

„Die Wettbewerbssituation ist ohnehin verzerrt“, sagt Kurt Klutmann von der Nichtraucher-Liga NRW, die den neuen Entwurf naturgemäß begrüßt. „Viele Wirte wollen gern das Rauchen verbieten, trauen sich aber nicht, weil es ja nebenan erlaubt ist.“ Er glaubt eher an Umsatzverlagerungen: „Die Wirtschaft ist ohnehin immer im Fluss.“

 
 

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