Bochumer Kurven - Mit dem Fahrrad auf Tour über die Trassen des Ruhrgebiets

Foto: Stefan Ziese
Wo früher Lokomotiven mit ihren Waggons durchs Ruhrgebiet zogen, können sich heute Fahrradfahrer und andere Freizeitbegeisterte austoben. Wir stellen interessante Orte als Zwischenstopp für Radtouren und als Ausflugsgsziel vor. Bochum hat mehr Sehenswürdigkeiten zu bieten als man sich vorstellt.

Die Stadt im Herzen des Reviers besitzt nicht nur die Erzbahn, sondern bietet auch viele andere interessante Bahntrassen, die kurvenreich miteinander verbunden werden. Die Tour führt vom Bahnhof Dahlhausen durch das einst kohlereiche Ruhrtal ins benachbarte Essen und von dort über die Stadtteile Steele und Freisenbruch nach Wattenscheid zur ehemaligen Zeche Holland.

Weiter geht’s über den Gelsenkirchener Süden zum Höhepunkt der Tour: der Erzbahntrasse zum Westpark. Über ruhige Straßen rollen wir nach Weitmar und von dort auf einer alten Kohlenbahn zurück nach Dahlhausen.

Entlang der Ruhrtalbahn

Ganz im Süden von Bochum starten wir diesen Rundkurs am einst bedeutsamen Bahnhof Dahlhausen. Vorbei am 1916/17 errichteten, denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude geht es über ein Naherholungsgebiet zunächst zu einem alten Bahndamm. An dieser Stelle dampften ab 1874 zwischen Dahlhausen, Burgaltendorf und Essen-Überruhr die Züge der Bergisch-Märkischen Ruhrtalbahn. Nach 1945 verlor die Strecke allmählich an Bedeutung, bis 1959 der letzte Personenzug verkehrte und in den 1980er Jahren die letzten Güterwagen hier entlang rollten.

Unsere Route folgt für die nächsten Kilometer dem Ruhrtalradweg, der idyllisch vorbei an einer alten Schleuse über die Essener Stadtgrenze zum 1838/39 gebauten Holteyer Hafen führt.

Holland-Trasse bis Erzbahn

Automatisch gelangen wir zur früheren Gleisanlage des Zechenbahnhofs, passieren ein Stellwerk und rollen auf der Anschlussbahn vorbei am Fußballstadion von Wattenscheid 09 in Richtung Gelsenkirchen-Ückendorf.

Eine neue Brücke überspannt die ehemalige Rheinische Bahn, und wir fahren unterhalb der Halde Rheinelbe entlang, wo die „Holland-Bahn“ früher in die „Kray-Wanner-Bahn“ einmündete. Hier lohnt sich auf jeden Fall ein Abstecher auf die bekannte „Himmelstreppe“, von der wir einen tollen Rundblick auf das Ruhrgebiet haben.

Auf der recht belebten Radroute „Kray-Wanner-Bahn“ setzen wir unsere Tour fort und biegen an „Müller’s Radstation“ zur beliebten Erzbahntrasse in Richtung Bochum rechts ab.

Erzbahn bis Westpark

Die asphaltierte Strecke verläuft auf einem Damm bis zu 18 Metern über dem Normalniveau, weil die Bahn auf diesem Abschnitt beim Bau 1927-1930 bereits vorhandene Trassen überqueren musste. Sie diente zur direkten Versorgung der Hochöfen des „Bochumer Vereins“ mit Eisenerz über den Hafen am Rhein-Herne-Kanal. Die Pulsader der Bochumer Schwerindustrie erfüllte ihren Zweck bis 1968, als die Hochöfen erloschen.

Später verfiel die Strecke zusehends und wurde Anfang der 1990er Jahre abgebaut. Später radeln wir nahe der Zechensiedlung Dahlhauser Heide zum 1964 geschlossenen Bergwerk Carolinenglück, dessen Schächte 2 und 3 jedoch nach wie vor zur Wasserhaltung genutzt werden.

Anschließend überqueren wir die einstige Rheinische Bahn, verlassen die ursprüngliche Trasse und rollen bald über die atemberaubende „Erzbahnschwinge“, die uns auf das ehemalige Werksgelände des Bochumer Vereins trägt. Hier sind wir wieder auf alten Schienenwegen und erreichen den ungefähren Standort der früheren Hochöfen. Um uns herum ist nach der Stilllegung des Stahlwerks 1985 der Westpark entstanden, dessen Besuch sich auf jeden Fall lohnt, denn es birgt viele Zeugen der schwerindustriellen Ära wie die berühmte „Jahrhunderthalle“ auf seinem Areal.

Wir umrunden das Parkgelände und verlassen den Park am Gewerkschaftshaus vor der Alleestraße. Nun liegt ein längerer Schleichweg zum Stadtteil Weitmar vor uns, wo hinter dem schönen Schlosspark unsere nächste Trasse endlich erreicht ist.

Die Freisenbruch-Trasse

Hinter der Kurt-Schumacher-Brücke sind wir im Stadtteil Steele. Später rollen wir über den Park & Ride-Platz entlang der Bahnstrecke Essen – Steele – Bochum; hier beginnt ein mit Split belegter Fuß- und Radweg auf der Trasse der früheren Anschlussbahn zur Zeche Eintracht Tiefbau. Sanft ansteigend trägt er uns durch ein kleines Tal mit einem schönen Park über neu errichtete Brücken in den Stadtteil Freisenbruch. Hier stand einst die Schachtanlage II (1877), von der noch ein wertvoller Kokskohleturm erhalten geblieben ist. Das Bergwerk musste bereits 1925 mangels Absatz schließen. Die Anschlussbahn blieb jedoch noch bis in die 1980er Jahre für eine hier angesiedelte Fettfabrik bestehen.

Nach Überquerung der Bochumer Landstraße gelangen wir bald auf die freie Hochfläche zwischen Essen und Bochum, wo der Blick weit in Richtung Wattenscheid und Gelsenkirchen schweift. Später unterqueren wir den Ruhrschnellweg und rollen auf der ziemlich ruhigen Steeler Straße nach Wattenscheid hinein. Zwischen zwei alten Wohngebäuden verläuft ein kleiner Weg. Er markiert die Trasse eines alten Anschlussgleises und führt uns am Rand der ehemaligen Zeche Holland vorbei.

Kohle in Dahlhausen

In einem tiefen Einschnitt näherte sich hier einst die „Kohlensammelbahn“ von Langendreer nach Dahlhausen. An der Nevelstraße beginnt derzeit der eigentliche Trassenweg, der ab 2015 über die benachbarte „Springorumbahn“ bis zur Bochumer City verlängert wird.

Im weiteren Tourverlauf erreichen wir ein altes Bergbaugebiet in Eppendorf. Anschließend erfahren wir an der Hasenwinkeler Straße, dass die gleichnamige Zeche seit 1811 eine Pferdeschleppbahn nach Dahlhausen an den Ruhrhafen betrieb. Mit dem Eisenbahnbau im Ruhrtal wurde diese Trasse 1870 zu einer „richtigen“ Bahnstrecke ausgebaut und erhielt viele Anschlussgleise zum Einsammeln der geförderten Kohle. Das Ende des Bergbaus raubte der Bahn ihre Existenzgrundlage. Ab 1969 fuhren keine durchgehenden Güterzüge mehr, zehn Jahre später rollten die letzten Waggons auf dem letzten Abschnitt, den wir gerade passieren.

Ein Stück Schiene auf unserer Trasse verdeutlicht diese längst zu Ende gegangene Epoche. Nach einem kleinen Schlenker durch einen Park befahren wir in Dahlhausen die letzten Meter des alten Bahndammes, bevor wir an der Dr.-C.-Otto-Straße die Trasse endgültig verlassen und hinter dem Otto-Wels-Platz den Bahnhof Dahlhausen und damit unseren Ausgangspunkt erblicken.

Dampfloks im Eisenbahn- museum Dahlhausen

Einmal im Speisewagen des legendären Orientexpress sitzen? Kein Problem, das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen verschafft ungehindert Einlass. Untergebracht im historischen Bahnbetriebswerk der Königlich-Preußischen Eisenbahnen aus dem Jahre 1916, ist das seit 1977 bestehende Museum mit seinen mehr als 120 zumeist funktionstüchtigen Lokomotiven und Traisinen Deutschlands eines der größten Eisenbahnmuseen Deutschlands.

Die Zeche Holland förderte in zwei Städten

Ihren originellen Namen erhielt die 1855/56 errichtete Schachtanlage schlichtweg durch ihre niederländischen Geldgeber. Sie erschlossen Grubenfelder in den damaligen Gemeinden Ückendorf und Wattenscheid, die später zu Gelsenkirchen bzw. zu Bochum eingemeindet wurden. Wo heute ein Wohn- und Gewerbepark entstanden ist, förderte die im 20. Jahrhundert zum Verbundbergwerk ausgebaute Zeche jährlich bis zu 1,7 Mio. Tonnen Steinkohle und schloss ihre Tore erst nach 133 Jahren.

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