Anneliese Brost liebt helfen mehr als Luxus

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Die Gesellschafterin der WAZ-Mediengruppe, Anneliese Brost, hat sich immer für Kinder und Jugendliche engagiert. Hier zeigt sie den Gymnasiasten Philipp, Christian und Niklas ihr Büro.            Foto: Frank Vinken
Die Gesellschafterin der WAZ-Mediengruppe, Anneliese Brost, hat sich immer für Kinder und Jugendliche engagiert. Hier zeigt sie den Gymnasiasten Philipp, Christian und Niklas ihr Büro. Foto: Frank Vinken
Foto: frank vinken / WAZ

Essen. Anneliese Brost war von Anfang an die rechte Hand der WAZ-Gründer Erich Brost und Jakob Funke. Sie kümmerte sich jahrzehntelang um die Zeitung. Ebenso wie um Soziales und Kultur. Für ihr Engagement bekam sie den NRW-Staatspreis.

Anneliese Brost, Tochter des Bochumer Pferdehändlers Heinrich Brinkmann, hatte Betriebswirtschaft studieren wollen, doch die Nationalsozialisten verwehrten der aus einer sozialdemokratischen Familie stammenden Schülerin den Studienplatz. Ihre Mutter war engagierte Frauenrechtlerin.

Nach dem Krieg arbeitete Anneliese Brinkmann als Sekretärin bei der Westfälischen Rundschau in Dortmund, wo sie ihren späteren Ehemann Erich Brost kennenlernte, der zu dem Zeitpunkt Chefredakteur der Neuen Rhein/Ruhr Zeitung (Essen) war. Sie verließ die Rundschau und gehörte als Brosts „rechte Hand” 1948 zu den WAZ-Gründern Erich Brost und Jakob Funke.

Staatspreis des Landes

1953 bezog die zunächst in Bochum erscheinende WAZ ihr neues Verlagsgebäude in Essen – die Basis der Mediengruppe, die heute mehr als 300 Drucktitel in neun Ländern Europas verlegt.

1975, neun Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, schlossen Anneliese und Erich Brost die Ehe. Am 8. Oktober 1995, wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag, starb der WAZ-Herausgeber. In der Folge übernahm seine Frau seine Aufgaben in ständiger Nähe zur Redaktion der WAZ.

Jahrzehnte engagierte sich Anneliese Brost in sozialen und kulturellen Bereichen. Ihre erste Stiftung entstand aus ihrem Hochzeitsgeschenk: Statt für ein Chalet in der Schweiz entschied sie sich für die Unterstützung eines Essener Kinderheims, das Mädchen und Jungen aus gefährdeten Familien betreut. Seither dehnte sie ihr Engagement aus.

Für Kultur und Völkerverständigung

Sie unterstützte die Arbeiterwohlfahrt und gründete das Anneliese-Brost-Zentrum, ein Seniorenwohnheim. Zudem förderte sie unter anderem Projekte zur deutsch-polnischen Verständigung, das Folkwang-Museum und die „Zeche Zollverein”. Auch das Wissenschaftszentrum „Erich-Brost-Haus” der Technischen Universität Dortmund geht auf eine Brost-Stiftung zurück.

Im Jahr 2004 erhielt sie den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, die höchste Auszeichnung, die das Land vergibt. Im Jahr 2008 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz I. Klasse verliehen.