Amoklauf in Düsseldorf und Erkrath wegen einer Ohrfeige

Hubert Wolf
Eine der Tatwaffen
Eine der Tatwaffen
Foto: Polizei
Der Dreifachmörder von Düsseldorf und Erkrath hatte schon 2011 seine Chefin geschlagen – und steigerte sich offenbar so sehr in Wut über den daraus resultierenden Prozess, dass er durchdrehte. Die Anwaltskanzleien, die er überfiel, wollten ihn mangels Erfolgsaussicht juristisch nicht vertreten.

Düsseldorf. Als der Amokläufer am Freitag in einer Pizzeria in Goch überwältigt wird, ist er wohl noch nicht an seinem mörderischen Ziel. „Wir gehen davon aus, dass er auch die Pizzeria-Betreiberin umbringen wollte“, sagt Staatsanwalt Christoph Kumpa. Auch einen Kanister mit Treibstoff hat er hier noch bei sich. Zuvor hatte er in Kanzleien in Düsseldorf und Erkrath zwei Menschen getötet und zwei verletzt und die Büros angesteckt. Ein weiterer Anwalt aus der Düsseldorfer Kanzlei starb am Samstag.

Vor allem aber: Diese unglaubliche Geschichte von einem, der sich ungerecht behandelt fühlt und in schwarze Wut steigert, beginnt auch hier in Goch, in dieser Pizzeria, und zwar 2011. Da gibt der Koch Yanking T. , der spätere Amokläufer, seiner Chefin wohl aus heiterem Himmel eine dermaßene Ohrfeige, dass sie Monate krank geschrieben wird. T. wird verurteilt, 2700 Euro Strafe soll er zahlen und Schmerzensgeld – und beginnt sich zu wehren.

Die Düsseldorfer Kanzlei, die er am letzten Freitag überfallen wird, hat ihn in diesem Prozess vertreten. Erfolglos. Aber er will mehr, will Berufung oder Revision, was die Kanzlei als aussichtslos einstuft. Soweit unzufrieden, wendet er sich an die Kanzlei in Erkrath: Jetzt soll sie seinen Prozess neu aufrollen – und ihm auch noch helfen, das Anwaltshonorar zurück zu bekommen, das er den Düsseldorfern gezahlt hat.

„Wahnhafte Vorstellungensind reine Spekulation“

Aber auch die Erkrather Juristen schütteln den Kopf. Zudem verläuft T.s Anzeige gegen eine Anwältin aus dem Düsseldorfer Büro wegen Betruges im Sande. Dabei taucht er dort weiter regelmäßig auf, „aggressiv und laut“, so Staatsanwalt Kumpa – aber auch wieder nicht so bedrohlich, dass man die Polizei holen würde. In der letzten Woche dann soll er angefangen haben, die Erkrather am Telefon zu terrorisieren.

Wahnhafte Vorstellungen nennt Kumpa am Sonntag „reine Spekulation“; schließlich sei der 48-Jährige bei seiner Mordserie „kontrolliert und zielgerichtet“ vorgegangen. Eine Schusswaffe und eine Gaspistole hatte er bei sich, zwei Messer mit zehn und zwölf Zentimeter langen Klingen und den Treibstoff. Seit Samstag sitzt T. in U-Haft wegen Mordes und versuchten Mordes.

Doch gibt es in diesem Fall auch Helden. Den 36-jährigen Florian R. in Erkrath, der die Tür zu dem brennenden Büro einschlug und einem Anwalt raus half, der hilflos und verletzt im Rollstuhl saß. Und Roxanna, Ksenia und Muhammed (alle 22) in Goch: Die Zwillingstöchter der Pizzeria-Chefin und der Passant konnten den Rasenden, den Bewaffneten, den Doppel- und nun Dreifachmörder überwältigen. Irgendwie.