„Abi-Tüv“ des Zentralabis steht auf dem Prüfstand

Die Pannen-Serie geht weiter: Im Zentralabitur in NRW hat sich ein neuer Fehler eingeschlichen. In der Wiederholungs-Klausur für den Grundkurs Mathematik stand eine falsche Zahl in einer Tabelle. Die Panne war einem Lehrer aufgefallen. Das Schulministerium will nun die Abläufe überprüfen.

Essen. Die Pannen-Serie beim Zentralabitur in NRW setzt sich fort. Auch in der für Donnerstag angesetzten Wiederholungsklausur im Grundkurs Mathematik ist ein Fehler aufgetaucht, wie das Schulministerium bestätigt. Demnach wurde in einer Tabelle eine falsche Zahl angegeben.

„Es ist super ärgerlich, dass dieser Fehler passiert ist“, sagt Barbara Löcherbach vom Schulministerium NRW. „Wir müssen jetzt herausfinden, wie das passieren konnte.“Aufgefallen war der Fehler einem Lehrer, nachdem er die Aufgaben am Mittwoch erhalten hatte. Die Klausur wurde daraufhin korrigiert und noch am gleichen Tag erneut über sichere Mailadressen an die Schulen verschickt. „Das Gute an der Sache ist, dass die Schüler davon nichts mitbekommen haben. Sie haben am Donnerstag eine korrigierte Klausur erhalten“, sagt Löcherbach.

Das Schulministerium versucht, den Vorfall positiv zu sehen. Er habe gezeigt, dass die Interventionsmechanismen funktionieren, heißt es. Der Fehler sei rechtzeitig entdeckt und korrigiert worden. Doch warum die zahlreichen Sicherheitskontrollen vorher nicht gegriffen haben, ist noch unklar. „Am Montag, beim Praxischeck, war noch alles in Ordnung“, sagt Löcherbach. Der Fehler müsse danach in die Aufgabe geraten sein. Bei dem Praxis-Check rechnen mindestens zehn Lehrer die Klausur-Aufgaben durch.

„Wir brauchen die Expertenkommission nicht mehr“

Die Aufgaben für das Zentralabitur werden von Aufgabenkommissionen gestellt, von einer unabhängigen Expertenkommission überprüft, durchlaufen dann den Praxischeck und anschließend ein Lektorat. Den sogenannten „Abi-Tüv“ gibt es seit 2009. Dass trotzdem Fehler passieren bedeutet für Dorothea Schäfer, NRW-Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW: „Wir brauchen die Expertenkommission nicht.“ Die Kommission habe zwei Jahre lang gute Arbeit geleistet, aber sie sei nicht perfekt. Das Geld, das der Kommission gezahlt werde, könne darum auch anderswo sinnvoll eingesetzt werden. Es gehe um eine halbe Million Euro im Jahr.

Schäfer, die selbst Mathematiklehrerin ist, kann nicht nachvollziehen, wie es zu dem Fehler gekommen ist. „Das muss man doch fünfmal nachrechnen, bevor es rausgeht.“ Früher habe es zwar auch Fehler gegeben, aber die hätten die Schulen schnell und unkompliziert selbst korrigieren können. Durch das Zentralabitur verbreiteten sich die Fehler in ganz Deutschland - und geraten auch in die Medien. Das System könne man leider nicht perfektionieren, sagt Schäfer. Das Zentralabitur abschaffen will Schäfer aber nicht. „Für die Lehrer ist das ja eine Entlastung, dass sie nicht jedes Jahr neue Aufgaben stellen müssen.“

Nach dem aktuellen Abiturdurchlauf will das Schulministerium Löcherbach zufolge die Abläufe überprüfen und so herausfinden, wie die Fehler entstehen konnten. Eingeführt wurde der „Abi-Tüv“ noch von der Pannen-geplagten damaligen NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU). Die neue rot-grüne Landesregierung hat das System übernommen.

Nicht die erste PanneNicht die erste Panne

Bereits in einer Aufgabe für die erste Grundkursklausur Mathematik hatte es Ungenauigkeiten gegeben. Nach Beschwerden von Schülern und Lehrern hatte NRW-Schulministerin Silvia Löhrmann (Grüne) eine Wiederholung der Prüfung angeboten.

Anfang Mai hatte sich in die Abitur-Klausur im Grundkurs Deutsch ein Fehler eingeschlichen. Mehrere Schulen hatten die Panne bemerkt und beim Ministerium Alarm geschlagen.

 
 

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