30 Jahre VRR - kein Grund zum Feiern

Foto: Hans Blossey

Essen. Vereinzelt zollen Kunden Lob, aber dann kommt das große Aber. Viele angekündigte Projekte des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr wurden nicht verwirklicht. Eine Bilanz zum 30. Geburtstag.

„30 Jahre und kein bisschen besser!” Mit diesem Fazit spricht WAZ-Leser und VRR-Kunde Uwe Kazmirzak aus Herten für die meisten der Leser, die sich an unserer Umfrage zum 30. Geburtstag des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) beteiligt haben. Vereinzelt gibt es auch Lob, doch dann kommt meist einer großes Aber.

Es sei ein Skandal, was im Ruhr-Nahverkehr angeboten werde, schreiben mehrere Leser. Gerd-W. Scholl aus Mülheim bringt es so auf den Punkt: „Was heute im VRR wirklich klappt, sind Verspätungen, schlechte Anschlüsse, ausgedünnte Fahrpläne. . . An Sonntagen ist man zu Fuß schneller am Ziel als mit öffentlichen Verkehrsmitteln.”

Diese Kritik ist so alt wie der VRR. Und genauso lange versuchen Verkehrsbetriebe und Politiker, die Fahrgäste mit Versprechen hinzuhalten.

Wochenlang unpünktlich

So fuhr die Bahn im Herbst 1998 wegen überraschenden Laubfalls wochenlang abseits aller Fahrpläne. Als das Chaos so groß geworden war, dass selbst Vertreter der Revierstädte – ein einmaliger Vorgang – wegen der Verspätungen protestierten, kündigte die Bahn eine „Pünktlichkeits-Offensive” an. Durch „70 Maßnahmen” sollten die Züge in Zukunft wieder nach Plan fahren. Was daraus wurde? Offenbar nichts. Denn zur Herbstlaubfall-Saison 2004 startete die Bahn eine „Herbst-Offensive”, um trotz der Natur-Attacken pünktlich zu sein. Seitdem spart sie sich teure Offensiven und fährt ohne Zusatzkosten für irgendwelche Aktionen oft unpünktlich. Nicht nur im Herbst.

Veränderte Ruhrgebietswelt

Wenn WAZ-Leser im Januar 2010 beklagen, dass die VRR-Strecken nicht der veränderten Ruhrgebietswelt mit neuen Wohn- und Industriegebieten angepasst worden seien, dann sei an den 15. August 1996 erinnert. Damals stellte der VRR sein mit viel Geld fabriziertes „Zielnetz 2015” vor. Danach sollten in nunmehr fünf Jahren statt neun gleich 17 S-Bahnen durch das VRR-Land rollen. Alte Bahntrassen sollten dafür wiederbelebt werden. Und die S-Bahn 1 sollte – wie auch schon 1980 angekündigt – im 10 Minuten-Takt rollen. Verwirklicht wird davon bis 2015 voraussichtlich nichts. Aber: Es gibt jetzt einen neuen Plan für 2030, in dem viele Strecken wieder belebt werden sollen.

Lästige Leuchtturmprojekte

Aber auch sonst wird der Zug der Zeit im VRR flankiert von Ankündigungen, Plänen, und Leuchtturm-Projekten, die sich meist aber nur als Nebelbomben entpuppen. Höhepunkt war zweifellos der von einigen Lesern noch jetzt kritisierte Metrorapid. Angekündigt von 2000 bis 2003 fuhr er keinen Millimeter, bremste aber viele damals schon sehr konkrete Ausbaupläne für den Ruhr-Nahverkehr bis heute aus. Der als Ersatz geplante Rhein-Ruhr-Express (Kanzler Schröder im Jahr 2004: „Wir wollen ihn. Wir schaffen es!”) sollte 2006 fahren. Vielleicht startet er ja 2020. Oder 2030. Das wäre doch eine schönes Geschenk zum 50. des VRR.

 
 

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